Samstag, 16. April 2016

Abenteuer St. Petersburg

Tag 1: Ankunft und Peterhof

Wir hatten uns den Stellplatz beim www.balticparking.com (N 59° 51‘ 36.6‘‘, O 30° 02‘ 46.9‘‘) als Standort ausgesucht, den wir am Tag nach unserer Einreise in Russland zielsicher ansteuerten. Die Aufregung war groß, als wir mit unseren beiden Fahrzeugen auf dem Parkplatz vor dem Kongresszentrum am Hafen vorfuhren. Wie schon öfter in den letzten 3 Wochen erlebt, wurde die Saison mit unserer Ankunft kurzerhand eröffnet. Die junge Managerin des Zentrums war von unserem Erscheinen so angetan, dass sie alle Hebel in Bewegung setzte, um die für unseren Aufenthalt notwendige Infrastruktur herbeizuzaubern. Den Preis konnten wir noch ein bisschen auf Vorsaison-Niveau herunterschrauben, Strom fließt, die Wasserqualität ist vorzüglich. Was will man mehr!

 
Peter der Große
Das Kongresszentrum mit dem Restaurant „ Yachtclub“ ist idyllisch direkt am Meer gelegen. Der Konstantinpalast, der vor ein paar Jahren aus dem Dornröschenschlaf erweckte und in kürzester Zeit renoviert und zu Putins Repräsentationspalast ausgebaut wurde, liegt unmittelbar dahinter. Näher werden wir dem Präsidenten wohl kaum kommen.
Blick auf St. Petersburg vom Stellplatz aus
Kurzentschlossen holten wir, Dank des schönen Wetters, die Fahrräder herunter und machten uns per Zweirad auf den Weg zum Peterhof. Das, im Stile von Versailles erbaute Zarenschloss liegt unmittelbar am Meer, sollte Iris Information nach nur ca. 4 km entfernt liegen und die Strecke dorthin quer durch den Wald führen. 



Abends hat sie Hilmar und Karl-Heinz hoch und heilig versprochen, solche Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, bevor sie Frohgemut zu weiteren Touren einlädt. Hin- und zurück waren es wohl doch ca. 16 km. 

Wir kennen jetzt die ursprüngliche Zufahrtsstraße zum Zarenschloss, alle dazwischen liegenden Tore und Absperrungen, Schleichwege und Hauptverkehrsstraßen. Bei jedem Schlösschen, das wir am Wegesrand entdeckten, bei jedem durchfahrenen Park dachten wir – ist das jetzt der Peterhof mit seinen berühmten vor Gold strotzenden Wasserspielen?

Peterhof
Ein paar am Straßenrand geparkte Reisebusse signalisierten uns schließlich, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Geschlossene Kassenhäuschen, keine Warteschlangen und wenig Menschen ließen uns über die Tatsache, dass die Wasserfälle noch im Winterschlaf lagen und die Gärtner die Beete für die Frühjahrsbepflanzung gerade erst vorbereiteten, großzügig hinweg sehen.

Auf dem Hinweg ließ uns ein freundlicher Wachmann ca. 2 km Teilstrecke durch ein eigentlich abgesperrtes Gebiet fahren, das wir im hinteren Teil nur durch ein Loch im Zaun verlassen konnten. Rückwegs befürchteten wir, vorne zum Tor nicht mehr rauszukommen, da es bereits spät war. Also ließen wir uns auf das Abenteuer Hauptstrasse ein, am Straßenrand, hinter der Leitplanke und über Trampelpfade. Spannend war es und die abendliche Dusche im Kongresszentrum ein Hochgenuss!




Tag 2: Winterwetter und Kunstgenuss


Der Wetterbericht hat es vorausgesagt:
Es wurde winterlich in Petersburg! 


Schloßplatz
Kaum zu glauben, dass wir gestern noch schwitzend mit dem Radl unterwegs waren. Am Morgen wollte Hilmar am liebsten im Bett bleiben. Es nieselte leicht und war deutlich kühler als am Vortag. Aber das Wetter konnte uns nicht schrecken! Der Weg ins Zentrum hat es in sich. Zuerst geht es ca. 1 km zu Fuß zum Bus, anschließend ca. 30 Minuten per Bus zur Metro. Von dort, je nach Ziel nochmal 30 Minuten im Untergrund quer durch die Stadt. Die Metrostationen sind alle sehr imposant und so manche Rolltreppe ist aufgrund ihrer Länge Guinessbuch-rekordfähig. 


Auch die Wege, die man unterirdisch zurücklegt, sind beachtlich. Unser Weg führte uns direkt zur Isaakskathedrale, die mit ihrem „goldigen“ Interieur sprachlos macht. Auch hier dasselbe Bild wie am Vortag am Peterhof – viel Raum für uns und keine Warteschlangen. Im Laufe des Tages ist aus dem leichten Nieselregen, feuchtschwerer Graupel geworden, wodurch die Sehnsucht nach einem Indoorziel für den Nachmittag groß wurde. Was gibt es da Ergiebigeres als die Eremitage, den berühmten Petersburger Winterpalast mit seinen prachtvollen Räumen und den unzähligen Kunstschätzen? 


Winterpalast
Als wir nach 20 minütigem strammen gehen dort eintrafen, waren wir klatschnass, was wir aber aufgrund der beeindruckenden Fülle an Prachtvollem, Üppigen und Maßlosem schnell vergaßen. Manchmal hat schlechtes Wetter auch seine positiven Seiten. Bei Sonne hätten wir diesen Kunsttempel wahrscheinlich nicht besucht. 







Karl-Heinz und Iris tigerten 3 Stunden durch die Räume, Hilmar gab sich derweil im Foyer dem Menschenstudium, vornehmlich des weiblichen Geschlechts, hin. Es ist schon gewaltig, was sich an Kunstschätzen in diesem in seiner Ausstattung eh schon prachtvollen Gebäude, durch das man Tagelang streifen könnte, verbirgt. Vom mumifizierten Pferd in der sibirischen Sammlung hin zu griechischen Vasen, Meißner Porzellan, raffinierten kleinen Spieluhren, Wandteppichen mit exotischen und orientalischen Motiven, Gemälde alter flämischer und niederländischer Maler – man kommt aus dem Staunen nicht raus. Im Berufsverkehr machten wir uns nach Museumsschluss wieder auf den Heimweg und flossen mit der Menschenmenge in den Gängen der Metro einfach mit. 
Die größte Kunst bestand jetzt darin, einen Platz in den oktoberfestmäßig gefüllten Zügen zu ergattern und an den Haltestellen nicht mit den Aussteigenden aus dem Zug gedrängt zu werden und schliesslich den richtigen Bus zu erwischen.



3. Tag: Die Sonne lacht




Wir dachten schon, wir dürften uns einigeln. Aber das Winterwetter ist bereits weiter gezogen und Petersburg lockte uns ein zweites Mal. Bei Sonnenschein sieht bekanntlich alles nochmal anders aus. Um die vom Vortag müden Glieder zu schonen, wählten Hilmar und Karl-Heinz die Hop-on, Hop-off-Bustour durch die Stadt. Iris dagegen machte sich zu Fuß und per Metro auf den Weg und bestieg, der guten Aussicht wegen, heute die Kuppel der Isaakskathedrale, die wir bereits gestern besucht hatten. 



Wir wollten uns am späten Nachmittag per SMS wieder zusammen finden. Es ist kaum zu glauben, aber beide Parteien trafen wie verabredet zum selben Zeitpunkt vor der, für ihre Wand- und Deckenmosaike bekannte Auferstehungskirche, dem Ort mit den gefühlt meisten Souvenirständen der Stadt, ein.
 
Auferstehungskirche im Hintergrund
Deckenmosaik
Wir hätten es nicht besser planen können. Eine Begehung des berühmten Petersburger Kaufhauses „Gostny Dvor“ bildete den krönenden Abschluss des Tages, bevor wir, diesmal allesamt mit rauchenden Füßen, wieder unseren Heimweg antraten.


 


Souvenirs, Souvenirs


Tag 4: Konstantinpalast

Eigentlich wollten wir heute weiterreisen. Die Rechnung war bereits beglichen. Nur Alyona, die freundliche Managerin des Zentrums, wollte uns nicht gehen lassen ohne uns nicht vorher durch den Konstantinpalast geführt zu haben. So wie es aussieht, werden wir dem russischen Präsidenten wohl doch ein Stückchen näher kommen als ursprünglich erwartet!

 

Der Konstantinpalast wurde vor dem Peterhof erbaut. Da sich hier die von Peter dem Großen erdachten, in Versailles abgeschauten Wasserspiele nicht verwirklichen ließen, baute er flux ein paar Kilometer weiter den Peterhof auf. Mit dem hauseigenen Shuttlebus wurden wir abgeholt und die Reisepässe am Eingangstor zum Park von der Security genauestens geprüft. Alyona führte uns durch die Räumlichkeiten, die Präsident Putin für Konferenzen und Besprechungen mit anderen Staatsoberhäuptern nutzt. Konzertsaal, kleine Nebenräume, Empfangsaal, alles ist prächtig im Stil zum Haus passend ausgestattet. Vom Raum für die informellen Meetings, der wie die Brücke eines Schiffes gestaltet ist, blickten wir aufs Meer und stellten uns vor wie hier Politik gemacht wird.








Alyona und Iris im Spiegel

Vor allem der Konzertsaal hatte es uns mit seiner Akustik angetan und nacheinander stimmten wir diverse Lieder an. Der kurze, vor der Abreise eingeschobene Ausflug in Putins Reich setzte uns vollständig schachmatt. Wir hatten noch an den Eindrücken der letzten drei Tage zu knabbern und beschlossen einhellig, uns hier an Ort und Stelle noch einen Tag auszuruhen. 

Wir müssen erst einmal wieder Luft holen, bevor es Richtung Süden geht!

1 Kommentar:

Andreas Löffl hat gesagt…

Servus aus der Mühle! Ihr macht wirklich Apetit auf St. Petersburg. Gute Reise weiterhin ��