Montag, 4. September 2017

Vorerst letzte Station - Schweden

Knapp 400 km und 6 Tage trennen uns noch vom Fährhafen Trellebourg, von dem aus wir am 10. September per Fähre nach Travemünde übersetzen werden. Ein klares Datum, das uns den Abschied von Schweden und dem Reisen leichter macht. Unser Entschluss, weitere Reisevorhaben erst einmal auf Eis zu legen um in Süddeutschland wieder eine feste Bleibe zu suchen, besteht nach wie vor. So schwer der Abschied vom Reisen fällt – im Grunde unseres Herzens wissen wir, dass es die richtige Entscheidung ist.

1. August 2017
Die Reise durch Schweden, in das wir am 01. August ein Stück oberhalb von Trondheim eingereist sind, war somit auch ein Weg auf das Ende unserer Reise hin. Gespräche mit „Zufallsbekannten“, mit denen wir den einen oder anderen Stellplatz teilten, erwiesen sich dabei als sehr hilfreich. 
Wieso reist ihr nicht weiter? 
Was habt ihr vor, wenn ihr wieder in Deutschland seid? 
Fragen, auf die wir langsam aber beständig immer konkretere Antworten fanden.

Am Sandvikssjön - irgendwo in Mittelschweden
Ein mit Sicherheit sehr überraschendes, dafür umso herzlicheres Erlebnis, war unser zufälliges Zusammentreffen mit der Lila Pistenkuh am zweiten Tag nach Einreise. Sabine und Burkhard hatten uns am Ufer des Sandvikssjön, nördlich von Östersund, auf einer Wiese am Ufer stehen sehen und schwenkten spontan ein.
Jonny und die Lila Pistenkuh
Sie waren auf kleinen Straßen von Russland kommend in Richtung Trellebourg unterwegs. Wir lagen noch in den Betten, als es morgens klopfte. Der gemeinsame Frühstückskaffee mit den, in der Reiseszene bekannten Afrikafahrern, erstreckte sich über mehrere Stunden hin und fand erst am nächsten Morgen ein herzliches Ende. Der kurzweilige Gedankenaustausch, die Gespräche über gemeinsame Bekannte und diverse mögliche bzw. mittlerweile schwer erreichbare Reiseziele ließen die Zeit schnell vergehen.

Schweden ist ein sehr unaufgeregtes Land, das durch viele kleine beschauliche Ecken und eine extrem freundliche und entspannte Lebensart besticht. Vor allem oberhalb der Linie Stockholm – Oslo bietet es noch viel Platz und Freiheit. An Wohnmobilstellplätzen, die wir in Südschweden öfter aufsuchen mussten, da freies Stehen nicht mehr überall uneingeschränkt möglich ist,  liegen Kuverts bereit, in die man doch bitte seinen Obulus in Höhe von x Kronen legen möge, um ihn anschließend in eine verschlossene Box zu stecken. Übrigens die einzige Gelegenheit, schwedische Kronen in Bar los zu werden. Alles andere läuft über Kreditkarte – egal ob es sich ums Parken, den Großeinkauf im Supermarkt oder die Kugel Eis am Kiosk neben an handelt. 

Für unsere Weiterreise Richtung Süden, wo wir Mitte August in der Nähe vom Vätternsee mit unseren Berliner Bekannten, die wir vor zwei Jahren in Polen kennengelernt hatten, zusammentreffen wollten, wählten wir eine Route, die uns auf kleinen Straßen immer nahe der norwegischen Grenze durch die schwedische Fjälllandschaft führte. Nach den vielen optischen Highlights entlang der norwegischen Küste eine richtige Erholung fürs Auge! Wälder, Seen, Moore, hier und da ein kleiner Nationalpark mit netten Wanderwegen und schönen Aussichten und Flüsse, die zum Paddeln einladen. Das Wetter war mit 16 – 20° immer noch skandinavisch sommerlich warm und ziemlich beständig. Abends war stets schnell ein geeignetes Plätzchen für die Nacht gefunden – es hätte ewig so dahin gehen können. 




 
 
 
 


Besonders der Bezirk Dalarna hatte es uns angetan. Die Landschaft erinnert stark an Lappland, ist aber doch bereits so südlich, dass sich hier auch deutsche Gemüter dauerhaft wohl fühlen können. In dem Örtchen Nörnas südllich des Österdalälven, den Iris am liebsten ausschließlich mit dem Paddelboot bereist hätte, trafen wir auf 2 junge Familien, die sich dort mit Outdoor- bzw. Offroad- Angeboten eine Existenz aufgebaut haben. In Nörnäs gibt es noch dazu ein, wie früher wohl in vielen kleinen Dorfgemeinschaften Schwedens, Servicehaus mit einer Infrastruktur, wie wir sie noch nie vorher gesehen hatten. Neben Dusche, WC, Sauna, Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, standen dort zwei Industriewaschmaschinen, die Iris Herz höher schlagen ließen. Das Wetter spielte mit, der ebenfalls zur Verfügung stehende Trockner blieb unbenutzt und die Wäsche war nach 3 Stunden gewaschen und trocken im Schrank! Auch hier galt: Benutzungsgebühr in einen Umschlag und im bereitgestellten Briefkasten hinterlegen.




In kleinen Schritten ging es stetig weiter südwärts. In Sälen, an der 66, kamen wir am Startpunkt des bekannten Vasaloppet, einem seit fast 100 Jahren stattfindenden, 90 km langen Volkslanglaufs vorbei, dessen Ursprung auf das Jahr 1521 zurückgeht und tief in der schwedischen Geschichte verankert ist. Zuerst dachten wir, die vielen Toilettenhäuschen wären vom Winter übrig geblieben. Aber weit gefehlt! Die sommerliche Fahrradversion des Vasaloppet sollte am Wochenende starten – womit auch die vielen, mit Fahrrädern bestückten PKWs erklärt waren, die uns in dieser sonst sehr einsamen Gegend plötzlich reihenweise entgegenkamen. 




Ca. 100 km weiter südlich hatten wir schließlich die 62, die parallel zum Klarälven, einem der längsten schwedischen Flüsse, der noch über eine große Strecke ohne störendes Kraftwerk durch die Wiesen mäandert, verläuft, erreicht. Ein sonniger Paddeltag mit kräftigem Gegenwind ließ uns am Abend einen Campingplatz aufsuchen. Auch hier begegneten wir einer jungen deutschen Familie, die vor ein paar Jahren den am Fluss gelegenen Campingplatz übernommen und ihren Lebensmittelpunkt nach Schweden verlagert hatte. Auch ein Konzept für uns? Oft weißt am Straßenrand ein kleiner Wegweiser mit der Aufschrift „Till salu“ – zu verkaufen - auf eines dieser netten, roten Häuschen mit weißen Fensterläden. Reizvoll wäre der Gedanke schon…..

Am Klarälven

Bei Kristinehamn erreichten wir schließlich die wohl den meisten Schwedenurlaubern bekannte südschwedische Seenwelt. Von jetzt auf gleich verändert sich die Landschaft. Weite Getreidefelder lösten die uns bis dahin umgebenden Wälder ab. Hier und da finden sich kleine oder größere Schlösser, die weitestgehend unversehrt die Zeit überstanden haben. Der Zufall ließ uns eine Nacht unterhalb der, auf Entwürfe von Picasso zurückgehenden, am Hafeneingang von Kristinehamn stehenden Skulptur verbringen und mit Sjötorp den Anfang des Götakanals, der den Vännernsee mit der Ostsee verbindet, finden. 



 
Per Rad ein Stück den Götakanal entlang

Der Götakanal wird heutzutage ausschließlich touristisch genutzt und viele Freizeitkapitäne sind im Sommer auf dem schmalen, zwischen 1810 und 1832 von 58.000 schwedischen Soldaten von Hand geschaufelten Kanal, von Schleuse zu Schleuse unterwegs. Immerhin 58 Stück, die auf einer Kanallänge von ca. 90 km einen Höhenunterschied von knapp 100 Metern überbrücken und 5 Seen miteinander verbinden.

Die fröhliche Zeit mit unseren Bekannten, die in der Nähe von Karlsborg mit 10 Mann ein Ferienhaus gemietet hatten, fand leider nach 4 Tagen ein sehr abruptes und trauriges Ende, das auch uns noch einige Zeit tief bewegte. In Schweden, dort wo wir es am wenigsten erwartet hätten, wurden wir mit den terroristischen Brandherden, die derzeit unser aller Leben bewegen, konfrontiert. Enge Familienangehörige wurden bei dem LKW-Attentat in Barcelona schwer verletzt, der sofortige Flug von Stockholm nach Barcelona für unsere Bekannte unumgänglich. Wir brauchten ein paar Tage um uns wieder ins Lot zu bringen. Vor dem Hintergrund unserer Reise, den vielen, ausschließlich positiven zwischenmenschlichen Erfahrungen, die wir vor allem auch in der islamisch geprägten Welt gemacht hatten, haben wir die Hoffnung, dass dieser, die Welt derzeit bewegende Wahnsinn, irgendwann ein Ende findet.

am Vätternsee
Unseren Entschluss, Stockholm zu besuchen, hielten wir aufrecht. Die Stadt, für die wir uns 3 Tage Zeit nahmen, brachte uns wieder auf andere Gedanken. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad eroberten wir die einschlägigen Hotspots, besuchten die Schlossgärten von Drottingholm, das Vasamuseum, Gamla Stan - die alte Stadt - und kauften am Heumarkt einem der Händler frische Pfifferlinge ab. Die Vasa, der Stolz der königlichen Flotte, sank aufgrund gravierender Konstruktionsfehler 1628 bei ihrer Jungerfernfahrt vor den Augen des Königs im Stockholmer Hafen. Ende der Fünfziger Jahre wurde das Wrack geborgen und kann seit 1990 im eigens um das Wrack gebauten Museum besichtigt werden.

Schloss Gripsholm - auf dem Weg nach Stockholm
 
 
 




Die Vasa - Modell (bunt) und Original (braun)

Iris Sehnsucht, einmal an der schwedischen Schärenküste ausgiebig paddeln zu gehen, bestimmte den weiteren Reiseverlauf. Den verlockenden Erzählungen eines Paares, das gerade ein paar wunderbare Tage auf der Insel Gotland verbracht hatte, konnten wir widerstehen. Dieses Reiseziel haben wir uns für die Zukunft notiert und stattdessen die ebenfalls reizvolle, aber über eine Brücke zu erreichende Insel Öland als Final für unsere Reise gewählt. 


 
 
Im Schärengarten von Gyrt - Kustcamp Ekön
Hier, wo neben der Königsfamilie unzählige Schweden ihre Sommerferien verbringen, hofften wir -  jetzt, da die Ferien zu Ende waren - noch ein paar schöne Spätsommertage zu verbringen. Auf dem Weg hierher begegnete uns bei einem Kaffeestopp in Gamleby unweit der E22 noch ein kleines schwedisches Highlight, das wir nicht unerwähnt lassen wollen. Am Parkplatz hinterm Ort lädt der Riese Garpe zum Besuch des 700 m langen Trollsteigs ein. Der Künstler Jan Pol hat hier dem Waldvolk mit 80 wunderbar in die Landschaft eingepassten Skulpturen ein unserer Meinung nach wunderbares, atmosphärisch gelungenes Denkmal gesetzt!







Die Insel Öland tut gut. Langgestreckt wie sie ist, bietet sie über 130 km abwechslungsreiche Landschaft, viele Strände und eine lebendige Vogelwelt. Dass der Herbst nicht mehr weit ist, sagen uns die Schwalben und die Wildgänse, die sich hier für ihren langen Flug gen Süden sammeln. Ost- und Westküste der Insel sind maximal 15 km auseinander, die Wege dazwischen kurz und überschaubar. Seit gestern braust der Wind übers Auto und bringt Regen übers Land. Wir nutzen die Chance und erledigen Häusliches. TÜV – und Werkstatttermin für unseren Jonny sind in Lübeck fixiert, einzelne Termine für diverse Besuche im norddeutschen Raum ausgemacht. 

Sobald dieser Artikel gepostet ist, werden wir nur noch den Wellen zusehen, die uns ihre eigenen Geschichten erzählen.

Brücke nach Öland

Grabfelder aus der Eisenzeit und Windmühlen





Der Lange Jan an der Südspitze in Ottenby
Blick vom Leuchtturm

Vor dem Naturum in Ottenby

Sonntag, 30. Juli 2017

Im Land der Mitternachtssonne



Vier Wochen sind wir durchs Land nördlich des Polarkreises gereist. 4 Wochen, in denen die Sonne nicht unterging. Die innere Geographie wird auf den Kopf gestellt und der alte Spruch von der Sonne, die „…im Norden nie zu sehen“ ist, außer Kraft gesetzt. Der Sommer im Norden mag zwar nicht besonders warm sein, aber lichte und helle Nächte machen ihn sehr, sehr lang.



Wir sind aber auch angekommen im Land der Sehnsüchte, der nach einsamen Stellplätzen suchenden Wohnmobilisten, der Richtung Nordkapp strömenden Omnibusse, Motorrad- und Fahrradfahrer. Einmal am Nordkapp sein! Ist das nicht ein Sehnsuchtsziel vieler? Wir machen es kurz: Wir haben das Nordkapp geschwänzt :-) Wir haben uns gedacht, dass es auf ein paar Gradsekunden mehr oder weniger nicht ankommt und sind über die sehr schöne Küstenstraße nach Havøysund gefahren, einem kleinen Fischerörtchen westlich vom Kapp. 


Dem am Kapp zu erwartenden Rummel konnten und wollten wir uns nicht aussetzen. Von vielen haben wir zwischenzeitlich gehört, dass sie in T-Shirt und kurzer Hose traumhafte Nordkapperlebnisse hatten. Wir hatten unsere auch. In Havøysund folgten wir eine kleine Bergstraße hinauf dem Wegweiser zum Arctic View Cafe und standen dort einsam und mit mitternächtlich unverstelltem Blick nach Norden neben dem Restaurant, wo wir uns vorher aufs köstlichste zu norwegischen Preisen Wildlachs, Ren und Moltebeeren an frisch gebackenem Mandeltörtchen einverleibt hatten. Dazu gab es einen wohlschmeckenden Rosé und ein Blick auf die vorbei ziehenden Hurtigrouten. Wer braucht da noch ein Selfie mit Globus am Kapp? Unsere Sehnsuchtsziele haben wir in den vergangenen Monaten alle bereist. 





Hatten wir uns in Finnland an die beschaulichen, meist kurvenlosen Fahrten durch die nördlichen Wälder gewöhnt, bei denen höchstens mal ein Ren die Fahrbahn kreuzte, springt in Norwegen hinter jeder Ecke das nächste landschaftliche Highlight ins Auge. Man kommt aus dem Schauen kaum raus! Fjörde, Steine, Felsen, Berge, Wasserfälle, Kurven, Tunnel, Brücken, Fähren – es ist eine beständige Abfolge von wechselnden Eindrücken. Die Norweger sind wahre Weltmeister im Tunnelbau, egal ob das Ding unter dem Meer oder durch den Berg geschlagen wird. Viele alte Tunnel sind kaum breiter wie zwei PKWs. Wir hoffen oft, dass uns doch bitte keiner entgegenkommen möge.
 


Im Norden des Landes schlängelt sich die E6, die als Hauptschlagader über ca. 3000 km das nahe der russischen Grenze gelegene Kirkenes im Norden mit dem schwedischen Trellebourg im Süden verbindet, an der Küste entlang und gab auch uns den Reiseverlauf vor. Je nach Tageslaune unternahmen wir Abstecher und erkundeten die Stichstraßen, die auf verschiedene vorgelagerte Inseln führten. An den abendlichen Stellplätzen kamen wir immer öfter mit alten „Norwegenhasen“ ins Gespräch, die uns mit dem ein- oder anderen Tipp für unseren Weg in den Süden versorgten.





Zwar haben wir uns per eBook auch einen Reiseführer organisiert, aber beschäftigt haben wir uns mit diesem Land im Vorfeld überhaupt nicht. Neben der Insel Sommarøy wurde uns der Besuch der Insel Senja schwer ans Herz gelegt. Landschaftlich reizvoll, schöner als die Lofoten hieß es. Die Lofoten sollten wir meiden, da dort um diese Jahreszeit ein Betrieb wie nachts auf der Reeperbahn herrschen solle. Überwiegend Norweger tummeln sich mit ihren Wohnmobilen auf der schmalen, weit in das Nordmeer hineinragenden Inselgruppe mit ihren bizzaren und hoch aufragenden Felsmassiven. In Tromsø, dem lebhaften und schönen Universitätsstädtchen hoch im Norden, von dem einst nicht nur Roald Amundsen zu seinen Polarexpeditionen aufbrach, schenkte uns ein gut deutsch sprechender Schwede eine Broschüre zur RV 17, der alten mit Fähren verbundenen Küstenstraße, die von Bodø im Norden fast bis Trondheim führt. Es hieß, auch die Vesterälen seinen einen Besuch wert und so startete mit dem Entschluss, die erste Fähre von Sommarøy Richtung Senja zu nehmen, ein Inselhüpfprogramm, das uns bis Sandnessjøen südlich des Polarkreises bringen sollte.

Im Norden Finnlands haben wir uns mit ein paar Tagen Stillstand auf einer kleinen Campingwiese am Rande des Lemmenjoki-Nationalparks für die bevorstehende Erkundung der norwegischen Küste fit gemacht. Schöne Abendstimmungen und Sauna am See gehören zu den Highlights der beschaulichen Tage inmitten der finnischen Wälder. Dem sehenswerte Sami-Museum in Inari hatten wir vorher bereits einen Besuch abgestattet und viel über die Sami, das indigene, nur noch begrenzt nomadisch lebende Volk der skandinavischen Länder und die Herausforderungen, die die heutige Zeit und Politik an die Rentierzüchter stellt, gelernt.





Ein Abstecher ins Landesinnere sollte uns vor Erreichen Tromsøs nochmal zurück nach Finnland, zum Dreiländereck, führen. Finnland, Schweden und Norwegen stoßen ca. 35 km von der Küste entfernt in der Nähe vom finnischen Kilpisjärvi, wo die Jahresdurchschnittstemperatur nicht über -2°C hinausgehen soll, aneinander. Das einzige Grenzmerkmal ist eine übergroße Betonboje, die seit 1926 den Grenzverlauf markiert. Kein Grenzposten, keine Kontrollen, nur Landschaft und der Rentierzaun. Ein Nachbarschaftsverhältnis, an dem sich der Rest der Welt ein Beispiel nehmen kann. Iris ließ es sich nicht nehmen, den kleinen Ausflug per Boot und Pedes zum „Grenzpfosten“ zu unternehmen. Hilmar sorgte derweil fürs leibliche Wohl und stockte die Lebensmittelvorräte im örtlichen Supermarkt auf. Norwegen ist mit Abstand das teuerste der 3 skandinavischen Länder, ein Einkauf auf finnischer oder schwedischer Seite schont die Reisekasse erheblich.



Wenn man Nord-Norwegen bereist kommt man um das Thema Fischen nicht herum. Auch Hilmar hat ein paar Mal – leider bisher erfolglos - sein Glück versucht. Da war Iris erfolgreicher, als sie sich auf der Insel Senja, die wir von Tromsø über die Insel Sommarøy kommend per Fähre erreichten, sich kurz entschossen ein paar gemütlichen Sportanglern aus der Pfalz anschloss, die am Vortag einen 125 kg großen Heilbutt aus dem Meer gezogen hatten. Mit Motorboot, Fischnavigation und professionellem Gerät fuhren sie hinaus aufs offene Meer und Iris kam mit einem Dorsch zurück. Filetiert und portioniert ruht er nun eingeschweißt in unserem Kühlschrank und wartet etappenweise auf seinen Verzehr.




Wobei das mit dem Sportangeln so eine eigene Sache ist. Als Angler darf man 15kg Fischfilet pro Person aus Norwegen ausführen, was wohl auch die zwei Finnen, die wir an unserem Nachtplatz in der Nähe von Alta trafen, dazu animierte, ihr Glück auf dem Meer zu suchen. Nur waren sie wohl nicht so geübt darin, ihr Boot in einem den Gezeiten unterliegenden Gewässer ins Wasser zu lassen. Sie hatten sich beim Verladen des Bootes nach erfolgreicher Angeltour mit dem PKW im Kies festgesetzt und mussten heraus gezogen werden. Mit unseren Bergeseilen, die wir das letzte Mal in der Mongolei benutzt hatten, bekamen wir das Auto schnell wieder flott und die entsprechenden Fische zum Abendessen dazu. Am nächsten Morgen bekamen wir erst durch einen kleinen Menschenauflauf, der sich unweit unseres Autos am Ufer zusammen gefunden hatte, mit, dass sich derselbe Angler ein zweites Mal recht ungeschickt angestellt hatte. Diesmal hatte er wohl das Boot bei Ebbe ins Wasser gelassen und vergessen, dass es Gezeiten gibt. Allerdings wurden diesmal nicht wir, sondern die Feuerwehr zu Hilfe geholt, die das in der einlaufenden Flut schon halb eingetauchte Auto samt Trailer wieder aus dem Wasser zog. Dem Finnen waren wohl die großen Dorsche, die er am Tag zuvor gefangen hatte, vor lauter Freude zu Kopf gestiegen! 



Wie uns ans Herz gelegt, besuchten wir die Inseln Sommarøy und Senja, tingelten auf den Vesterälen über mehrere Inseln und feierten an einem kleinen Strand am westlichsten Zipfel der Insel Langøya bei schönstem Sommerwetter Hilmars Geburtstag. Letztes Jahr hatten wir kurz vor diesem Datum die Mongolei verlassen und es uns an einem Bach im russischen Altai gemütlich gemacht. Wo ist nur die Zeit geblieben? Die Lofoten ließen wir rechts liegen und nahmen die Fähre von Lødigen nach Bognes, um die nächsten 200 km zügig auf der E6 weiter Richtung Süden, nach Bodø, zu fahren.

Eismeerkathedralein Tromsø



Auf der Insel Sommarøy



Küstenfahrt auf Senja
Andernes auf den Vesterälen
Die Lofoten - von Norden gesehen
Hilmars Geburtstagsstrand

Dort liegt der Startpunkt des Kystriksveien, der RV 17, der wir ein gutes Stück nach Süden folgen wollten. Der Wetterbericht versprach nach mehreren sehr wechselhaften, kühlen Wochen für diesen Küstenabschnitt eine Woche Dauersommer – also nix wie hin! 


Eigentlich wollten wir uns in Bødo von einem Aussichtshügel aus die Stadt und die umliegenden Berge ansehen. Leider war die Zufahrt für LKW verboten. Der Alternativplan führte uns für die Nacht mitten in die Stadt und hinauf in den 17. Stock des Scandic Hotels. Umlaufende Terrasse, wunderbarer Abend und traumhafter weiter Blick waren der Lohn für die wohl teuersten 2 Glas Wein unseres Lebens. Wir haben sie mit großem Genuss sehr langsam geleert.






Wer sich auf die RV 17 begibt, muss Zeit mitbringen. Kaum fährt man ein paar Kilometer, führt die Straße wieder geradewegs auf eine Fähre, die einen auf die nächste Festlandsnase bzw. größere Insel bringt. Wir liegen mit unserem Jonny in der Gesamtlänge so ziemlich genau unter 7 m. Dadurch halten sich die Kosten im Rahmen. Bei dem schönen Wetter hatten wir bei unseren Fährtraversen eine hervorragende Sicht auf die Küste. Manch Hurtigroutenpassagier wäre neidisch geworden! Den  Hurtigrouten sind wir auf unsere Reise bisher öfter begegnet. Am Artic View Cafe fuhr sie an unseren Füßen vorbei, in Hammerfest lief das Schiff gerade ein und in Sandnessjøen sahen wir beim Verladen der wenigen PKWs zu, die der Dampfer mitnehmen kann. Per Aufzug werden sie in den Bauch des Schiffes verfrachtet. Sehr spannend. 


Auch für die am Wegesrand liegenden landschaftlichen Highlights konnten wir uns ausreichend Zeit nehmen. Kurz hinter Bødo quert die RV 17 den Saltstraumen, den weltstärksten Gezeitenstrom, der vor allem bei Flut zu Neu- bzw. Vollmond seine größte Macht entfaltet. Es gurgelt und zischelt, strudelt und wüsste man nicht, dass man an einer Meeresenge steht, könnte man meinen, in einen reißenden Fluss zu blicken. 



Oder der Svartissengletscher, der sich ein paar Meter über Meeresniveau quadratkilometerweit über die Berge erstreckt und an verschiedenen Fjörden noch seine Zungen Richtung Meer schiebt. Iris hatte gelesen, dass man von der Dammkrone des Holmvassdammen einen hervorragenden Blick auf den Gletscher haben sollte. Der Weg dorthin führte allerdings durch zwei unbeleuchtete Tunnel, davon einer über 2 km lang, kurvig und bergauf. Nach anfänglichem Zögern und einer am Fuße des Tunnels verbrachten Nacht gab es am nächsten Morgen kein Halten mehr. Augen zu und durch! Wir wurden mit herrlichen Aussichten auf Berge und Gletscher belohnt.








Unser weiterer Weg wird uns wieder ins Landesinnere Richtung Schweden führen. Mitte August haben wir dort in der Nähe des Vättersees eine Verabredung. Stockholm wollen wir uns auch noch ansehen, für Oslo bleibt da wohl keine Zeit mehr.  Aber wir wissen jetzt schon – Skandinavien sieht uns wieder!







Helgelandbrua bei Sandnessjøen