Freitag, 7. August 2015

Sommer! Polen! Herrlich!


Unterschiedlicher und abwechslungsreicher könnten die Eindrücke, die wir in den letzten 10 Tagen von unserem östlichen Nachbarland gewonnen haben, nicht sein! Abgesehen davon, dass wir wieder neu herausfinden müssen, wie und wo wir unseren Müll entsorgen – jedes europäische Land tickt anders - bietet Polen viel Reizvolles, was wir so nicht erwartet haben. 

Über Świnoujście (Swinemünde) sind wir eingereist, sind 2 Tage küstennah durch dichte Wälder gefahren und haben Seen, Küste, Sturm, Gewitter, Ostsee, Baden und viel Kultur erlebt!

Fähre über die Swine
Wir sind nicht die einzigen, die derzeit durch die nördlichen Teile des Landes reisen. Die Polen haben Sommerferien und genießen die Schönheit ihrer Küsten gerade ausgiebig selbst. Trotzdem finden wir auf den Campingplätzen immer noch ein lauschiges Eckchen, machen es uns bequem und gewinnen so einen Eindruck davon, wie man hier den Sommer verbringt. Mittlerweile können wir mit „Dzién dobry!“ auf Polnisch „Guten Tag“ sagen und auch ein „Dziękuję“ für „Danke“ kommt fließend über unsere Lippen.

Mehr geht nicht!
Wir sind sehr positiv beeindruckt von dem Land und seinen Menschen. Sicherlich war es erst ein kleiner Kulturschock, nach so vielen Wochen ohne Rummel im Badeort Kołobrzeg/Kronberg richtiges Strandleben mit Waffeln, Eiscreme, Animation und Geschiebe durch die Strandpromenade zu erleben. Wir haben uns munter drunter gemischt und erst einmal eine Prise Ostsee und eine große Portion Waffeln, belegt mit Beeren und viel Sahne, zu uns genommen. Zwischendrin finden wir aber immer wieder Orte, die auch abgelegen liegen und Ruhe und Entspannung in unvergleichlich ursprünglicher Natur bieten. Iris hat gelesen, dass 40% aller Storchenpaare in Polen leben. Sie laufen hier, wie bei uns die Krähen, dem Traktor beim Mähen auf den Feldern hinter her und haben in den allgegenwärtigen blühenden Feuchtwiesen einen idealen Lebensraum.
 
Bei Darłowo am Strand

Auch der Słowiński National Park mit seinen Wanderdünen ist eine Attraktion, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Um möglichst nah am Eingang des Parks zu sein, bezogen wir auf einem Campingplatz in Łeba Quartier. Um uns herum herrschte munteres Treiben. Łeba ist auch für seine herrlichen Sandstrände bekannt, was natürlich wiederrum viele Urlauber anzieht. Es wird uns aber auch aus anderen Gründen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. 

Erstens hatte ein Spaßvogel nachts unsere Leiter demontiert und zweitens wussten wir nicht, dass man, um ein Ticket für den Nationalpark zu erhaschen, vorher 50 Meter Schlange stehen muss. Ersteres ging gut aus, hätte aber auch böse enden können. Als Hilmar morgens die Kabinentür unseres Jonnys öffnete, blickte er Gott sei Dank zu Boden, bevor er hinaus trat und siehe da: Er sah nichts! Unsere Eingangsleiter wurde nachts ausgehängt und 2 Meter weiter unversehrt an unserem Hinterreifen geparkt. Die „Diebe“ müssen sich den Spaß vorher sehr genau überlegt haben, denn es ist schon eine Kunst die Leiter fast geräuschlos und nahezu rüttelfrei aus den Angeln zu heben. Zwar hatten wir nachts ein Geräusch gehört, gingen aber davon aus, dass da wohl jemand auf dem Weg zur Toilette über die Leiter gestolpert war. Vielleicht wollten uns „die Diebe“ ja nur zeigen, wie schnell man unsere Leiter ausbauen kann. Wir nehmen diesen Hinweis daher dankbar an und passen zukünftig besser drauf auf!

Die Schlange am Eingang zum Nationalpark haben wir später links liegen gelassen und sind einsam durch die Wälder und Dünen zum Strand gewandert. Schön war es! Es war ja auch unser Hochzeitstag! Iris konnte es sich allerdings nicht verkneifen, abends, nachdem alle Besucher entschwunden waren, schnell mal mit dem Radl die 7 km zur Düne hin und zurück zu pesen, denn sehen wollte sie die Wanderdüne halt doch!


Wälder und Wanderdüne bei Łeba
Nach diesen „Meererfahrungen“ beschlossen wir, uns wieder ins Landesinnere zurück zu ziehen. Wir hatten die Hoffnung, dass es in der kaschubischen Schweiz, dem Gebiet südwestlich von Gdańsk (Danzig) etwas ruhiger zu gehen würde. Das Gebiet im Hinterland der Ostsee ist eine Abfolge einer unüberschaubaren Anzahl von Seen. Der Mecklenburgischen Seenplatte schließen sich auf polnischer Seite die Pommersche Seenplatte, die Seen der Kaschubischen Schweiz, die oberländer Seenplatte und später die Masuren nahtlos an. Wasser war also garantiert und bei den wieder steigenden Temperaturen freuten wir uns auf Schwimmen und Sonne tanken.

Weißer-See bei Chmielno
Aussicht vom Tamowa-Camping auf den Klodno-See





Badeplatz am See
Per Zufall sind wir auch dort auf einem Campingplatz gelandet. Wir wurden von dem gut deutsch sprechenden Besitzer mit Hinweis auf die herausragende Aussicht, die man von den Stellplätzen ganz oben am Hang über den See hat, quasi geködert. Er hatte nicht zu viel versprochen. Tamowa-Camping liegt idyllisch am Hang, nur von einer Sandstraße, die gerade mal Jonnybreite hatte, vom See getrennt. 3 Tage sind wir geblieben und haben Sommer pur erfahren. Auf der Liege „vorm Haus“ liegen, ab und zu zum Baden gehen, die ein oder andere Radtour durch die wunderbar lichten Laubwälder, die es hier in der Gegend gibt. Die Gegend ist traumhaft schön und manche Menschen sagen, sogar schöner als in den Masuren. Wir werden sehen! Neben steilen Hügeln, weiten Feldern und Wäldern gibt es in der kaschubischen Schweiz aber auch die ein oder andere Brücke, die es bei unserer Weiterfahrt zu unterfahren galt. Mutig haben wir den Weg Richtung Ziel trotz des Hinweises „3,50“ fortgesetzt. Mit etwas Glück passen unsere 3,56 vielleicht durch?

Aufgrund der teilweise doch recht holprigen Straßen, die mal mit Kopfsteinpflaster, mal mit mehr oder weniger Schlaglöchern versehen sind, hatten wir im Vorfeld bereits etwas Luft aus den Reifen gelassen und das schien unser Glück zu sein. Iris positionierte sich strategisch günstig in der Dachluke des Fahrerhauses und gab schließlich das Signal zur Durchfahrt. So konnten wir unseren Weg nach Gdańsk ohne weitere Umwege fortsetzen. 



Am frühen Nachmittag bezogen wir dort auf dem Parkplatz der zentrumsnah gelegenen Musikhochschule Quartier und machten uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden.Wir waren bereits vorgewarnt! Die Buden des alljährlich im August stattfindenden „Dominikanermarkts“ säumten die Straßen, was den Blick auf die wunderbar restaurierte Altstadt von Gdańsk erschwerte. Wir haben unseren Stadtspaziergang zum Krantor und entlang des Langen Markts trotzdem genossen. Ein Höhepunkt der Stadterkundung war sicherlich der Aufstieg auf den Turm der Marienkirche. Lohn für die Bewältigung der 390 Stufen ist ein grandioser Rundumblick über die Stadt, die Werften und das Umland bis hin zum Meer. 



Trotzdem blieb bei Iris die Sehnsucht, die Gebäude der Altstadt unverstellt zu sehen. Da fotografieren am Morgen eh die schönsten Ergebnisse bringt, zog sie morgens um 7 Uhr nochmals los, um der Stadt beim Aufwachen zu zusehen.



Die Besichtigung der ca. 60 km südlich von Gdańsk gelegenen „Marienburg“ am Ufer der Nogat, einem Seitenarm der Wisła (Weichsel) rundete das Kulturprogramm erst einmal ab. In Polen stößt man alle Nase lang auf Vermächtnisse der Deutschritter, die im 13. Jahrhundert hier oben vorübergehend Fuß fassten. Auch diese gewaltige, aus Ziegelsteinen erbaute Festung gehört dazu.


Die Prachtanlage ist die größte von 120 Burgen und ehemaliger Sitz des Ordens-Hochmeisters. Später wurde sie von den polnischen Königen genutzt. Nachdem Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs behoben wurden, ist die Marienburg heute wieder die größte und schönste Burganlage Polens und zählt als solche zum UNESCO-Weltkulturerbe. 
 
Polen ist ein Land, was uns bisher sehr begeistert hat. Um detailliert über die Besichtigung der Marienburg berichten zu können, müssten wir einen Streifzug durch die Geschichte Polens einbauen, der den Rahmen des Blogs sprengen würde. Seit daher alle recht herzlich eingeladen, euch selbst ein Bild von unserem – aus deutscher Sicht - östlichen Nachbarland zu machen. Uns hat das Buch „Expedition zu den Polen“ von Steffen Möller bei der Vorbereitung auf Land und Leute gute Dienste geleistet. Es macht neugierig und weckt in uns die Lust als Reisende noch mehr über Polen und seine wechselvolle Geschichte zu erfahren. 






Sonntag, 26. Juli 2015

Auszeit


Heute brechen wir auf!

Hängematte, Boot, Fahrräder, Bierbank, Wäscheleine und Sonnen- bzw Regenplane – alles ist wieder da, wo es hingehört. In aller Ruhe und mit viel Muse haben wir gestern unsern Jonny bestückt. Die Tage hier auf dem Biberferienhof haben uns gut getan.


Während in Süddeutschland die Menschen schwitzten, blies bei uns hier oben im Norden zeitweise kräftig der Wind um die Nase. Blauer Himmel mit Sonnenschein und dunkle Wolken gaben sich sprichwörtlich am Tag öfter die Klinke in die Hand und sorgten so für viel Abwechslung.

Über 3 Wochen haben wir um uns herum die Menschen kommen und gehen sehen. Waren es Anfang Juli meist einzelne Paare in VW-Bussen, standen zum Schluss überwiegend, mit vielen Kindern bestückte, Wohnwägen um uns herum.
Aber immer noch ist es hier sehr, sehr entspannt. Von unserem Jonny aus hatten wir einen guten Überblick über das weitläufige Gelände. Unten, am Kanal, stehen die Zelte der Paddler, Autos und Wohnwägen müssen oben bleiben.



Das Gelände teilen sich alle mit ein paar Jungbullen, die uns zeitweise nachts mit ihrem aufmüpfigen Gebrüll den Schlaf raubten, den zutraulichen Ziegen und dem eigensinnigen Schafsbock, der immer ein wachsames Auge auf seine Herde hat. Abends schwebt der Nebel der vielen offiziell erlaubten Lagerfeuer über die Wiese. Auch wir hatten eine Feuerstelle in unmittelbarer Nähe und damit eine gute Gelegenheit, mit manchen Nachbarn näher ins Gespräch zu kommen. 

Der Platz lädt mit seiner ungezwungenen und legeren Atmosphäre zum Bleiben ein. Aber spätestens seit Hilmar gestern das erste Mal seit unserer Ankunft hier wieder den Motor unseres Jonnys angelassen hatte, wussten wir, dass die Reise weitergeht. Das warme Tuckern des Dieselmotors löst Freude aus. 

Es werden Erinnerungen wach, die wiederum die Vorfreude auf neue Abenteuer nähren.

Vor uns liegen 7 Wochen in uns bisher unbekannten Ländern. Unser Weg wird uns erst einmal an der polnischen Ostseeküste entlang nach Masuren führen. Von dort geht es entlang der weißrussischen Grenze Richtung Krakau um anschließend über Bratislava gen Wien einzuschwenken. So zumindest ist die Idee. Über Swinemünde wollen wir nach Polen einreisen und sind sehr gespannt darauf, was uns dort erwartet. Ob wir einen Abstecher ins Baltikum machen werden, wird sich ergeben. Hauptsache, das Tempo stimmt!

Impressionen vom Biberferienhof:












Sonntag, 12. Juli 2015

Unter den Linden

Ach, wie waren die letzten 3 Monate schön und anstrengend zu gleich! Es war der bisher intensivste Abschnitt unserer Reise, haben wir doch Gelegenheit gehabt, viele unserer Freunde und Bekannten persönlich zu sehen und gemeinsam mit Ihnen Ausflüge und Besichtigungen zu machen, zu ratschen oder auch einfach nur in dem ein- oder anderen Garten zu parken, am Jonny arbeiten oder die Füße hochlegen zu dürfen.

In München Allach
Viele Feste haben wir gefeiert, gemeinsam gelacht und aber auch getrauert, neue Familienmitglieder begrüßt und Jubilare hochleben lassen. Ganz nebenbei mussten wir beide, auf Anraten unserer beider Zahnärzte hin, einige Kronen sanieren lassen und da es unterwegs nichts schlimmeres als Zahnschmerzen gibt, sind wir diesen Empfehlungen selbstredend gefolgt. Unsere Idee, Ende Mai wieder „on the road“ zu sein, hatte sich dadurch allerdings zerschlagen, denn auf Zahnarzttermine muss man bekanntlich etwas warten. Mittlerweile aber ist alles gerichtet und wir seit Mitte Juni wieder unterwegs.

Daerr-Globetrottertreffen in Egling
Über Fronleichnam, sehr geschickt zwischen Hilmars beiden Zahnarztterminen in Bad Tölz gelegen, konnten wir auf dem Daerr-Globetrotter-Treffen in Egling bei Schäftlarn erste Ideen für unsere weitere Route auf ihre Machbarkeit hin abklären. Unser Ansinnen, in den nächsten Monaten über die Türkei, den Iran und Zentralasien in die Mongolei zu fahren, ist bei weitem nicht so abwegig, wie es vielleicht für manche klingen mag. Wir haben viel Positives gehört und sind uns mittlerweile sicher, dass wir dieses Projekt angehen wollen. Nur die Zeitschiene ist noch nicht ganz spruchreif, daher sei im Moment dazu nicht mehr gesagt. 
Unser Weg hat uns zunächst, von München ausgehend, über Winterrieden in die Pfalz geführt. Wir hatten Iris Bruder versprochen, bei unserem nächsten Besuch wieder selbstgefangene Forellen mitzubringen, was wir prompt an dem uns schon vertrauten Fischweiher im Kleinenztal erledigten. Nur, dass die Forellen diesmal weit weniger freudig anbissen als beim letzten Mal und wir für zwei Fische sagenhafte drei Stunden die Angel ins Wasser hielten. Dafür zog Iris ein Exemplar an Land, das sie nicht nur mit Stolz erfüllte, sondern das mit seinen 1,3 kg für vier hungrige Mäuler locker reichte. 
Viel frische Petersilie hacken! Zusammen mit etwas Ingwer und frisch gedrücktem Knoblauch vermischt, das Ganze dem Fisch in den Bauch gestopft und im Ofen ca. 30 Minuten in Öl geschmort. Köstlich!

Zwischenzeitlich haben wir beschlossen, uns erst einmal einen schönen Sommer zu machen. Radeln, Bootfahren, Schwimmen, Faulenzen – Stillstand und die Seele nachkommen lassen, dass ist im Moment unser vorrangiges Interesse. „Hoch Annelie“ ließ uns nach dem Abstecher nach Lothringen und ins übrigens sehr schöne Saarland, sehr zügig über Bensheim, wo wir noch einige Besuche machen wollten, weiter Richtung Erfurt und Weimar zur Mecklenburgischen Seenplatte fahren.
Auf unserem Weg sind wir bei unseren Besuchen immer wieder stichpunktartig in die deutsche Geschichte eingetaucht. Sei es in Lothringen bei der Besichtigung der www.citadelle-bitche.com , die im deutsch-französischen Krieg von 1870-71 eine bedeutende Rolle spielte oder der Radtour durch Saarbrücken, in deren Verlauf uns liebe Marokkofreunde die Lieblingsplätze ihre Heimatstadt zeigten. 
St Johanna Markt Saarbrücken
Barocke Ludwigskirche  Saarbrücken
Unweit davon haben wir dem www.wolfspark-wernerfreund.de in Merzig ebenfalls einen Besuch abgestattet. Die anschließende Nacht verbrachten wir auf dem vor dem Wolfspark gelegenen Parkplatz und haben die Wölfe beim Heulen belauscht. Wir kamen uns sehr gut behütet vor!

Auch der früher fürstbischöflichen Parkanlage von Schönbusch in Aschaffenburg haben wir per Rad einen (Biergarten-)Besuch abgestattet und in Rahmen eines wunderbaren Familienspaziergangs das Fürstenlager in Bensheim erkundet.

Weimar per Rad - Goethehaus
Trotz der immer größer werdenden Hitze konnten und wollten wir Erfurt und Weimar nicht auslassen. Beide waren wir vorher noch nie in den östlichen Bundesländern gewesen und diese Städte entlang unserer Route waren daher ein Muss. Weimar und Erfurt haben uns ausnehmend gut gefallen. Neben den unzähligen Straßencafes bleiben uns, neben all dem Wissenswerten was es zu sehen gab, beide Städte auch musikalisch in Erinnerung. In Weimar war, bei schönstem Sommerwetter, aus gefühlt jedem offenen Fenster handgemachte klassische Musik zu hören. In Erfurt waren die Domstufen gesperrt, da der gesamte Domplatz bereits für die geplante Freilichtoper hergerichtet war.

Auf den oberen Domstufen sitzend, konnten wir die Proben zum Freischütz live mit verfolgen, für uns ein ganz besonderes Vergnügen.

Domplatz Erfurt


Goethes Gartenhaus Weimar
Schloss Belvedere Weimar
Schillerstraße in Weimar

Unsere ursprüngliche Idee, durch Polen zu reisen, haben wir erst einmal nach hinten geschoben. Hier in MeckPom haben wir ein wunderbares Plätzchen auf dem www.biberferienhof.de gefunden, wo wir unter Linden, in derzeit noch sehr friedlicher Atmosphäre, unser Inneres zur Ruhe kommen lassen. Hilmar hatte vor ein paar Tagen einen schönen Vergleich gebracht: In ihm sehe es aus, wie in einem mit Sand getrübtem Glas Wasser, in dem sich der Sand langsam am Boden absetzt und das Wasser darüber wieder klar wird.


Unter den Linden - Zeltplatz am Biberferienhof

Und erst, wenn bei uns beiden der Sand am Boden wieder so fest gebacken ist, dass es schon fast Sandstein ist, werden wir weiterfahren. In der Zwischenzeit genießen wir die Natur um uns herum. Hier sind die Felder weitläufig, die Menschen wenig. Nachts ruft das Käuzchen und viele Singvögel, Käfer und Fledermäuse huschen durch die Luft. In den Lindenblüten über uns veranstalten die Hummeln und Bienen ein wahres Hubschraubergedröhn. Sonst ist es hier immer noch ziemlich ruhig. Das wird sich sicherlich nach dem Start der Sommerferien in den umliegenden Bundesländern in den nächsten Wochen ändern.

Es ist ein sehr erholsamer Landstrich, in dem wir uns gerade befinden. Iris erinnert das ganze sehr an die Zeiten, als ihre Eltern noch ein kleines Grundstück am Wörthsee gepachtet hatten, tief fliegende Schwalben das sommerliche Gewitter ankündigten und Baden im See zwischen Schilf und Bodenmoder den Kindheitssommer prägten. Die Unaufgeregtheit der Landschaft, das viele Wasser, die Menschen, die überwiegend mit dem Fahrrad, dem Kanu oder dem Hausboot unterwegs sind, verströmen eine gewisse Zeitlosigkeit, die einfach nur erholsam ist.

Mittlerweile ist „Hoch Annelie“ wieder abgezogen und das Wetter wechselhaft. Uns und der Natur sind die vereinzelten Regenschauer, die in den letzten Tagen vom Himmel gekommen sind, einfach nur angenehm. Unsere Ausflüge passen wir dem Wetter an und dehnen unseren Radius jeden Tag ein klein wenig weiter aus. Wir spazieren durch den Wald zum Töpfer ins nächste Dorf oder paddeln mit dem Kanu über die umliegenden Seen. Und wenn die Vorräte zur Neige gehen, geht es mit dem Fahrrad ins 10 km entfernte Mirow, wo neben Aldi, Edeka und Penny an der Schleuse in Mirow Dorf auch eine Fischräucherei zu finden ist. Neben dem örtlich gefangenen Hecht, Aal und Wels hat es dort auch frisch geräucherten Saibling und Forelle im Angebot. Was für uns Fischliebhaber bedeutet, dass wir sicherlich nicht das letzte Mal per Rad in Mirow gewesen sind. Es schmeckt einfach zu lecker! 



Schleuse Diemitz am Biberferienhof
Neben dem Genießen wollen wir die Tage hier aber auch nutzen, um uns auf die Monate, die vor uns liegen, einzustimmen. Das Wifi auf dem Platz ist gut, womit einer ausgiebigen Recherche über die Anforderungen der zukünftigen Route nichts im Wege steht. 
Wie ist das mit den Visaanträgen?
Was gibt es für die verschiedenen Länder zu beachten?
Welche Jahreszeit eignet sich für welches Land?
Wo sollen wir den Winter verbringen?
Liegt Griechenland auf unserem Weg oder lassen wir es rechts liegen? 
Auch wenn wir gelernt haben uns „auf dem Weg leiten zu lassen“ ist eine gewisse Vorbereitung nötig. Im September werden wir anlässlich der Hochzeit von Hilmars jüngerer Tochter nochmal kurz in Bayern sein. Spätestens dann wissen wir, wie es weitergeht! 
Bis dahin wünschen wir allen einen schönen und erholsamen Sommer!

Labussee



Donnerstag, 16. April 2015

Zurück in Deutschland

Wir können es selbst noch nicht glauben, aber um uns herum wird wieder deutsch gesprochen. Vorbei die Zeit, in der wir häufig auch Hände und Füße zum Reden benutzen mussten. Am 27. März haben wir nach zügiger, wettermäßig gar nicht frühlingshaft anmutender Fahrt bei Freiburg die Grenze passiert. Tagesgenau 8 Monaten vorher hatten wir uns in Rotterdam eingeschifft, um nach Schottland zu fahren. 

Biergärten gibts halt nur in Bayern

Wie wir uns nach all der Zeit fühlen? Bereichert und beschenkt trifft es wohl am besten. Wir werden noch ein bisschen brauchen um all das Erlebte zu verarbeiten. Das Kopfkino schickt beständig neue Filme, wobei die Zeit in Marokko sicherlich die intensivsten Eindrücke hinterlassen hat. Es war neu, aufregend und anders. Auch die anderen Länder, insbesondere Schottland und die Bretagne, tauchen immer wieder auf und triggern Erinnerungen an ursprüngliche Landschaften, Klippen, Meer und Seen. 
 
Wenn der Wettergott bessere Laune gehabt hätte, hätten wir uns für die Rückfahrt durch Spanien und Frankreich wahrscheinlich mehr Zeit gelassen. Aber pünktlich mit dem Einschiffen in Tanger Med begann der Himmel sich zu verdunkeln und die Temperaturen sanken in den Keller. Von Frühling war auf der ganzen Fahrt wenig zu spüren.
Fährhafen Tanger Med
Um einigermaßen heil durch diese Tage zu kommen, wurden wieder Mütze und Handschuhe aus der hinteren Ecke unserer Kleiderkammer herausgeholt. Im Norden Spaniens ging der dort einsetzende Nieselregen sogar noch in Schnee über! Vielleicht hätten wir doch noch 3 Wochen länger in Marokko bleiben sollen? Aber das Wetter ist nicht der einzige Maßstab. Wir freuten uns auf die Menschen, die wir unterwegs noch besuchen wollten und der Termin für das erste Familienfest, am 19. April, stand unverrückbar im Raum. Außerdem sehnte sich Hilmar seit Weihnachten nach seinem Zahnarzt, da ihn hin und wieder, manchmal mehr, manchmal weniger, ein ganz bestimmter Zahn ärgerte. Sicherlich gibt es auch in Marokko Zahnärzte, aber denen traute er nicht über den Weg. In einem Land, indem viele Menschen sehr früh kaum mehr Zähne im Mund haben, steht der Zahnerhalt oft nicht an oberster Stelle. Daher galt die Devise, lieber Zähne zusammenbeißen und durchhalten.



Übernachten in Montemolin, Südspanien
Salamanca
In Spanien führte uns unsere Route in 4 Tagesetappen über Sevilla, Salamanca nach San Sebastian und Biarritz. Die gut ausgebauten, fahrzeugleeren und mautfreien 4 spurigen Straßen, bringen dich in Spanien gut voran. Neben dem Kilometerfressen nahmen wir uns die Zeit, mittags in einer der unzähligen, am Wegesrand liegenden Fernfahrerkneipen, für wenig Geld gut zu speisen und am Abend nach einem schönen, unserer Stimmung entsprechenden Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Salamanca haben wir einen Besuch abgestattet und, nachdem wir zentrumsnah an der alten Römerbrücke auf einer Tankstelle stehen und übernachten durften, zu Fuß die Stadt erkundet. Gerne hätten wir die berühmte Kirche besichtigt, aber leider waren wir zu spät dran. Wir durften nicht mehr hinein. Der Wind pfiff durch die Gassen und so blieb uns nichts anderes übrig, als unseren Spaziergang in einem kleinen Kaffee am Hauptplatz zu beenden, wo wir uns erst einmal die kalt gefrorenen Finger am heißen Kakao erwärmten.

In Biarritz haben wir uns persönlich vom Atlantik, den wir jetzt sicherlich für eine längere Zeit nicht mehr sehen werden, verabschiedet. Schnell war ein geeigneter Parkplatz gefunden. Bei dem Wetter war ja auch keiner unterwegs! Alles grau in grau. Der Atlantik war die ersten 4 Monate immer rechts von uns, über Wochen haben wir täglich das Rauschen der Wellen gehört und wenn wir zurückblicken, war da am Anfang der Reise auch eine große Sehnsucht – endlich ans Meer! Den Blick in die Ferne schweifen lassen, Horizont und Weite genießen, sich vom schottischen und irischen Wind durchpusten lassen. Genau das Richtige, um im Inneren „klar Schiff“ und somit Platz für all die neuen Eindrücke und Erfahrungen zu machen, die vor uns lagen.

Biarritz

Unweit von Biarritz wollten wir auf dem Campingplatz „Lou Bascou“, auf dem wir uns auf dem Hinweg so wohl gefühlt hatten, eine kleine Pause einlegen. Dort angekommen, waren und blieben wir die einzigen Gäste, denn der Platz war eigentlich noch geschlossen. Die Besitzerin freute sich allerdings so sehr über unser Erscheinen, dass wir trotzdem bleiben durften – was wiederum uns sehr freute, denn wir hatten einen Tag Ruhepause mit warmer Dusche dringend nötig.

Die Brücke bei Sabine vor dem Haus
Die Sonne spitzte erst ein paar Tage später, in Argentat im Dordogne-Tal, wieder zwischen den Wolken hervor. Unsere frühere Nachbarin Sabine, mit der wir in Langenbach 11 Jahre Tür an Tür gelebt hatten, hat sich dort zwischenzeitlich einen Lebenstraum erfüllt und eine kleine Pension übernommen (www.perigord-chambres.info). Das Haus ist idyllisch direkt am Fluss gelegen, die Renovierung fast abgeschlossen, Gäste herzlich willkommen und wer gerne Forellen angelt, Kanu fährt, wandert oder einfach nur die gute Küche schätzt, ist dort gut aufgehoben. Der Empfang war herzlich und wir konnten nach all den Monaten langsam mit unserer Vergangenheit auf Tuchfühlung gehen. Die Matratzen haben wir allerdings nicht getestet. Das Schlafen in einem Haus „mit richtigen Betten“ haben wir noch ein bisschen aufgeschoben. 

Familienanschluss in der Pfalz
Mittlerweile ist unser Jonny zumindest innen wieder sauber, sämtlicher Saharasand rausgesaugt und die Betten gelüftet. Bei Iris Bruder in der Pfalz nahmen wir die Gelegenheit war, unseren Jonny zum TÜV zu fahren, den er natürlich ohne Mängel bestand und, was noch viel wichtiger ist, ihm endlich ein H auf dem Nummernschild einbrachte. Jetzt ist es quasi amtlich – wir haben einen Oldtimer und das ist gut so. Auch die Angel, die Hilmar zum Abschied geschenkt bekommen hatte, kam zu guter Letzt doch noch zum Einsatz und wir zu leckeren Forellen, die wir noch am gleichen Tag verspeisten. Es werden hoffentlich noch viele folgen!




Seit 2 Wochen tauchen wir wieder in den Alltag ein, jeden Tag ein bisschen mehr. Die Post, die sich in den letzten 9 Monaten angesammelt hatte, erwartete uns bei unseren Freunden in Winterrieden. Sie war dank der guten Vorsortiertung schnell gesichtet, womit Zeit genug für Plausch und Austausch blieb. 

Der Frühling liegt in der Luft und erinnert uns täglich daran, dass das Jahr ja erst anfängt. In unserer Zeitlosigkeit ist uns das Gefühl für die Jahreszeiten etwas abhandengekommen. Jetzt liegt die Kunst darin, sich die Ruhe und Gelassenheit, die wir aus Marokko mitgebracht haben, zu bewahren. Weiterhin einen Schritt nach dem anderen zu tun und sich nicht von der Hektik um uns herum anstecken zu lassen. Im Einklang mit sich zu bleiben und die nächsten Wochen, die wir in Deutschland verbringen werden, als Teil der Reise zu begreifen. Möge die Übung gelingen!

Frühling in der Maisinger Schlucht