oder… von der Wüste in die Großstadt, Kulturschock inklusive.
Die Sehnsucht nach einem Supermarkt, der außer „La vashe qui rit“ auch
andere Käsesorten im Angebot hat und nebenbei eine Flasche Wein verkauft,
wuchs von Tag zu Tag. Unsere, in Spanien gebunkerten Vorräte, waren nach fast 2
Monaten aufgebraucht. Agadir präsentiert sich als moderne Großstadt, in der
wenig alte Strukturen zu finden sind. Bei einem großen Erdbeben Anfang der 60er
wurden große Teile der Stadt zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut. Ein
großer Hafen und Strandpromenaden mit Hotels und Bars dominieren das Stadtbild
inklusive 4 spuriger Straßen, belebten Kreisverkehren, Straßenampeln und was
sonst noch zum Großstadtleben gehört.
Frei laufende Mulis, die ihren Durst an
Tankstellen stillen und Eselkarren inklusive.
Wieso wir hier sind? Wie immer
hat es sich so ergeben!
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Nach unserem Abschied aus Zagora ging es zielstrebig ohne
weitere Stopps durch das Draa-Tal nach Agzd. Das Draa-Tal gehört mit zu den
schönsten Flusstälern Südmarokkos. Eingerahmt von spektakulären Bergketten,
gesäumt von ausgedehnten Palmenhainen, fließt der Draa über mehrere 100 km
Richtung Süden. In Mhamid haben wir gesehen, wie er täglich immer weniger wird
und langsam wieder trocken fällt. Hier fließt er üppig und ständig und bewässert,
in kleine Kanäle umgeleitet, die Palmenhaine.
An jeder Straßenecke kann man Datteln
kaufen, die allerdings in ihrer Qualität an die Datteln, die man auf den
Märkten kaufen kann, nicht heranreichen. Wie wir zwischenzeitlich gelernt
haben, stammen diese häufig aus Tunesien!
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| In Agdz am Draa, dahinter Djebel Sarhro |
Agdz erreichten wir am frühen Abend desselben Tages. Dort
war uns ein Campingplatz empfohlen worden, der uns auch die Möglichkeit bieten
sollte, eine alte, renovierte Kasbah zu besichtigen. Viele dieser
traditionellen, aus ungebranntem Lehm gebauten Familienhäuser verfallen, da sie
leer stehen und der Erhalt zu aufwendig wäre. Da wir in Marokko ohne GPS
unterwegs sind, konnten wir den „Camping Kasbah Palmerie“ (GPS N30° 42.725´, W6° 26.760´) allerdings erst
finden, nachdem wir bei der örtlichen Gendarmerie nach dem Weg gefragt hatten.
Die Herren dort helfen gerne!
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Die Führung durch die Kasbah am nächsten Tag hat
sich wirklich gelohnt. Die gut deutschsprechende, französische Frau des
derzeitigen Besitzers, zeigte uns nicht nur das verwinkelte, manchmal fast
unheimliche Gemäuer. Sie gab uns auch einen hervorragenden Einblick in die marokkanische
Lebensweise und Familienstrukturen früher und heute. Der Blick vom
Terrassendach der Kasbah über die Umgebung war atemberaubend schön, auch
wenn uns an diesem Tag die Sonne etwas im Stich gelassen hatte.
In Agdz
beschlossen wir auch nach Agadir ans Meer zu fahren. Neben dem Supermarkt lockten
Temperaturen mit angenehme 16-20°C, war es doch im Gebirge deutlich kühler.
Einen weiteren Einblick in die Lebensweise der hier
ansässigen Berber bekamen wir gleich ein paar Tage später. Die R 108, auf der
wir unsere Route nach Westen fortsetzten, führt die meiste Zeit durch sehr
einsame Gegenden. Wüsten und Berghänge sind aufgrund des Regens vor ein paar
Wochen mit einem grünen Flaum überzogen, der uns fast vergessen lässt, wie
unwirtlich manche Landstriche, durch die wir fahren, normalerweise sind. Die
Ziegenhirten müssen derzeit nicht weit laufen um ihren Herden ausreichend
Futter zu bieten. Außer beeindruckender Landschaft gibt es hier allerdings sehr,
sehr wenig.
Was tut man also, wenn am Straßenrand jemand steht, der die
Motorhaube seines Wagens hochgeklappt hat? Man hält an, frägt nach dem Problem
und schüttet schon mal den Inhalt seines Reservekanisters in den Wagen eines
anderen.
Der junge Marokkaner ließ uns aber erst ziehen, nachdem wir ihm
versprochen hatten, unseren Jonny zu wenden und mit ihm zu Mama nach Hause zu
fahren. Dort gäbe es Couscous, und wir müssten doch unbedingt zumindest auf ein
Gläschen Tee…. Lange Rede, kurzer Sinn: Mama und Papa bedankten sich
überschwänglich, dass wir ihrem Sohn, einem jungen Minenarbeiter auf dem Nachhauseweg
von der Frühschicht, aus der Patsche geholfen hatten. Mohamed, der Papa,
brachte Tee und vor dem Couscous begutachteten wir noch die wunderbaren, von
„Madame“ aus selbst gesponnener und –gefärbter Wolle hergestellten Teppiche, die
uns schon im „Salon“ aufgefallen waren. Da saßen wir nun zwischen der ganzen
Pracht und „Madame“ meinte, dass sie Iris doch gerne einen ihrer Teppiche, die
eigentlich für den Teppichladen des Cousins in Stuttgart bestimmt waren,
überlassen möchte. Es schien ihr eine Herzensangelegenheit zu sein, denn die
genannten Konditionen waren mehr als entgegenkommend und eh wir es uns versahen,
wurde der Kauf per Handschlag unter Frauen besiegelt. Schweren Herzens ließ man
uns nach dem Couscous ziehen, wäre unsere Anwesenheit doch noch Anlass für ein
abendliches Festessen mit der ganzen Familie gewesen. Es war eine sehr schöne,
herzenswarme Begegnung, an die wir beide gerne zurückdenken. Und der Teppich?
Ja, für den müssen wir in Deutschland erst einmal Asyl beantragen. Für unseren
Jonny ist er zu groß!
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| Camping Toubkal |
Mit Übernachtungsstopps in Taliouine (Camping Toubkal, Ortseingang rechts) und
Taroudannt (an der Stadtmauer neben der Präfektur, GPS N30°31.390´, W7°53.689´) gelangten wir ohne weitere Zwischenfälle
nach Agadir, wo in einem großangelegten Supermarkt die nächste Konsumfalle auf
uns wartete. Aber diesmal sind wir standhaft geblieben. Wir haben nur gekauft,
was auf dem Zettel stand! In Taroudannt hatten wir am Tag vorher noch einen
schönen Nachmittag verbracht, Stadtbesichtigung und Umrundung der 7 km langen
Stadtmauer per Pferdetaxi inklusive.
Dieser Ort hat uns ausnehmend gut
gefallen. Wir schlenderten entspannt durch den Souk und gönnten uns auf dem
zentralen Platz der Stadt, auf dem Gaukler und Schlangenbeschwörer für
Unterhaltung sorgen, einen Kaffee.
Ab Taroudannt nahmen die Außentemperaturen merklich zu. Am Straßenrand tauchten die ersten Mandelbäume auf. Die Gegend südlich von hier, der Antiatlas um Tafraoute, ist bekannt für seine Mandelblüte. Dort wollen wir in den nächsten Wochen noch hin, aber derzeit hat des dort Temperaturen um den Gefrierpunkt. Wir warten lieber noch ein bisschen!
Neben Supermärkten gibt es in Agadir unter anderem eine
ADAC-Vertretung und eine Mercedes-Benz Werkstätte, die wir derzeit bemühen
müssen. Unser Jonny ist zwar rundum frisch gesalbt, gepudert und geölt, aber
der Bremslichtschalter ist zwischenzeitlich defekt, was zu einem Dauerleuchten
der Bremslichter führt. Die Zeit bis zum Eintreffen des Ersatzteils aus
Deutschland vertreiben wir uns auf einem der, bei „Überwinterern“ beliebten Stellplätzen
bei Taghazout am Meer (GPS N30° 31.385´, W9° 41.401´), ca. 20 km nördlich von Agadir. In „unserer Ecke“ des
Platzes stehen wir gemeinsam mit 2 Unimogs, einem Magirus-Deutz und drei MAN
und heben uns etwas von den anderen, überwiegend weißen Wohnmobilen ab.
Vom
alten Wüstenfuchs über ehemalige Schauspieler aus den 50ern – es ist ein
illustres Völkchen um uns rum. Iris ist sicherlich das Küken auf dem Platz,
die Herren um uns haben ihren 80ten zeitweise schon hinter sich. Der Platz
selbst entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Baustelle.
Hier sollte
eigentlich ein Golfplatz entstehen und aus den Bauruinen nebenan ein Hotel.
Aber das Projekt wurde wohl im Keim erstickt und außer Erdarbeiten ist nicht
viel geschehen. Schade eigentlich, denn der Küstenstreifen war vorher sicherlich
sehr viel schöner. Muss man mal gesehen haben, auf Dauer ist das Leben auf der
sog. Platte nichts für uns. Der Müll sammelt sich hinter Sandhügeln und die
Toilettenentsorgung wird nicht von jedem umweltgerecht durchgeführt. Der Umgang
mit Müll entspricht sicherlich in großen Teilen Marokkos nicht den europäischen
Gepflogenheiten, aber als Tourist muss ich mir ja daran kein Beispiel nehmen,
oder?
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Strandleben :-)
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Aber was hält uns und so viele andere hier? Das Klima in der Bucht von Agadir ist das ganze Jahr über mild und angenehm, die Bucht ist ein Eldorado für Surfern und Standspaziergänger. Nachvollziehbar, dass viele hier hängen bleiben, oder?
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| Strand bei Taghazout |
Das Ersatzteil, auf das wir warten, soll wohl in den nächsten 2-3 Tagen in Agadir eintreffen. Solange wollen wir noch bleiben. Danach machen wir uns - mildes Klima hin oder her - auf, um den Küstenteil südlich von Agadir näher in Augenschein zu nehmen.