Mittwoch, 26. April 2017

Von Khiva über Turkmenistan in den Iran


Die zentralasiatischen Weite, die turkmenische Wüste und die schlechten Straßen liegen hinter uns. Vor uns liegen zwar wiederum mehrere hundert Kilometer Wüste, aber die Iraner haben auch die Nebenstraßen wunderbar geteert. Schlaglöcher muss man mit der Lupe suchen. Unseren Aufenthalt in Usbekistan haben wir mit dem Besuch des überschaubaren, an Baudenkmälern reichen Khiva ausklingen lassen.



Die Temperaturen lagen nachts unterm Gefrierpunkt und tagsüber ließ ein kalter Wind uns wieder die Dauenjacken herausholen. Wir parkten am Westtor neben dem Gästehaus Alibek, über das wir auch die notwenige Registrierung erhielten. Zwei Tage strolchten wir durch die Altstadt, die umringt von einer alten, noch intakten Lehmstampfstadtmauer mit ihren 700 x 400 m ein sehr überschaubares Maß hat.
 
Auch hier dasselbe Bild wie in Buchara – es sind überwiegend einheimische Touristen, um deren Gunst die allgegenwärtigen Souvenirhändler ringen. Auf dem Sonntagsbazar deckten wir uns mit Proviant für die nächsten Tage ein. Um diese Jahreszeit ist das Angebot an frischer Ware allerdings noch ziemlich begrenzt.







Es gibt Kartoffeln und Rüben – hier und da ein paar importierte Äpfel und vereinzelt gibt es frische Kräuter zu kaufen. Die Felder liegen noch alle brach und werden derzeit erst vereinzelt bearbeitet und hergerichtet.
Heute, am 17. März sind wir nach 4 Tagen Turkmenistantransit nach einer geruhsamen, vor der Grenze Bajgiran zugebrachten Nacht, in den Iran eingereist. Unser Visum hätte noch einen weiteren Tag Spielraum gelassen, aber was kann man schon groß tun in Turkmenistan? 


Unseren Abstecher zum Feuerkrater bei Derwana verbinden wir mit sehr schönen Erinnerungen. Aber länger als eine Nacht wollten wir am sog. „Tor zur Hölle“ nicht verbringen. Die Sowjets haben hier vor ca. einem halben Jahrhundert nach Gas gebohrt. Die Bohrung lief schief und das aus dem Erdreich austretende Gas war nicht zu bändigen. Dies brachte jemanden auf die Idee, es anzuzünden. Allerdings hatte niemand damit gerechnet, dass es nach 50 Jahren immer noch vor sich hin lodert und nun eine der Hauptattraktionen Turkmenistans darstellt. Zwar denkt die Regierung immer wieder darüber nach, das Loch zu stopfen, aber bisher ist noch nichts geschehen. 



Aschgabat, die utopisch anmutende Hauptstadt Turkmenistans, haben wir abends auf dem Weg zur Grenze per Jonny erkundet. Alles ist sauber, grün und bewässert. Die Stadt am Rande der Wüste wirkt steril und gepflegt. Springbrunnen und skurrile Monumente prägen das Stadtbild. Es gibt mindestens drei Pferderennbahnen, ein menschenleeres, abgesperrtes, riesiges Olympiastadion mit Hochschwebebahn und einen gigantischen Flughafen. Fotografiert haben wir nicht. Anhalten war nicht möglich, denn Parkplätze konnten wir keine ausfindig machen. Jemand hat uns erzählt, dass die Turkmenen eher unzugänglich wären. 


Wir haben neben netten Grenzern, uns freundlich entgegenkommenden Polizisten auch einen hilfsbereiten LKW-Fahrer erlebt, der prompt anhielt und uns seine Hilfe anbot, als Hilmar an Straßenrand unseren Tank festgurtete. Dass die Qualität der zentralasiatischen Straßen nicht zum Besten steht, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Das die schlechten Straßen von Kasachstan im westlichen Teil von Usbekistan und in Turkmenistan noch zu toppen sind, schwer zu glauben. Nach Verlassen Usbekistans bei Nukus/KoneUrganch haben die ersten 100 km der Transitstrecke unserem Jonny ganz schön zugesetzt. Ein Tankhalterungsbügel ist gerissen, am Fahrradständer hat es ein Teil der Verschraubungen und zu guter Letzt auch ein Auspuffrohr direkt am Topf abvibriert. Gott sei Dank haben wir genug Ratschengurte an Bord und konnten diverse „Pflasterungen“ vornehmen. Beim Auspuff bestand allerdings dringender Werkstattbedarf und bereits bei ersten Stopp im Iran konnten wir dieses Problem besteitigen.


Hinter Aschgabat liegen eindrucksvoll die noch weiß bedeckten Berge des Kopet Dag –Gebirges. Nach so vielen Tagen Wüste, Staub und Sand tut es richtig gut, mal wieder in die Höhe zu klettern und auf ca. 1700 m ü.M. die frische Bergluft zu inhalieren. Dort oben liegen mitten im Gebirge zwei moderne, großzügig angelegte Grenzstationen. Die Einreise in den Iran gestaltete sich als sehr angenehm. Das Carnet de Passage wurde routiniert abgestempelt und auf Fahrzeugkontrolle verzichtet. Iris wurde nur gefragt, ob die Turkmenen bei der Ausreise den das Fahrzeug gründlich gecheckt hätten. Das konnten wir bestätigen, obwohl die Inspektion eher wie ein neugieriges „In Augenschein nehmen“ anmutete. Also, alles easy in Bajschiran!


Mittwoch, 8. März 2017

In Buchara



Friedlich ist es heute in Buchara! 



Heute, am 8.März, ist – wie wohl in vielen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken – Frauentag. Die Kinder haben schulfrei und gehen, herausgeputzt wie ihre Mütter und andere junge Frauen auch, in Buchara flanieren. Das Wetter lädt dazu ein.


Milde Tagestemperaturen von ca. 12 Grad und die Sonne am blauen Himmel locken viele Usbeken ins Freie. Der Winter mit seinen frostigen Begleiterscheinungen hat sich gerade erst verzogen. Die Bäume sind noch kahl. Hier und da wagt sich schon ein kleines bisschen frisches Grün aus den abgesteckten Rabatten. Touristen gibt es um diese Jahreszeit in Buchara nur vereinzelt. In den Hotels wird noch fleißig renoviert und die Souvenirhändler laufen sich gerade warm. Noch haben nicht alle Stände offen. Wie mag es hier nur sein, wenn Bus um Bus seine Fracht am Lavi Hauz, dem geschichtsträchtigen Zentrum Bucharas, auslädt! Jetzt gehört das Zentrum der Stadt noch den Einheimischen und wir fließen einfach mit.

Am Lavi Hauz

In Bishkek hatten wir noch auf einen Impuls zum losfahren gewartet. Nachdem am 2. März endlich das ersehnte Einreisedokument für Turkmenistan in unserer Inbox aufzufinden war, gab es auch kein Halten mehr. Am 6. März sind wir abends in Buchara angekommen. Hinter uns lagen dreieinhalb denkwürdige Tage, an denen wir uns ausschließlich aufs „Strecke machen“ konzentriert haben.
Hilmar legte trotz einer aufkeimenden Erkältung sein Tagespensum in bewährter zielstrebiger Manier zurück. Machte uns am Abreisetag zwar der Wettergott noch einen kleinen Strich durch die Rechnung – wir verließen Kirgistan bei Schneefall und ziemlich eisigen Temperaturen – ging die Weiterfahrt flüssig „von der Hand“. Die erste Transitnacht verbrachten wir bereits auf kasachischem Boden. 
Der Grenzübertritt bei Chaldovar verlief etwas holprig. Unser Jonny war dem diensthabenden Zöllner zu groß für die PKW Spur. Das wurde uns aber erst mitgeteilt, nachdem wir uns schon eine Stunde inmitten der PKWs Richtung Grenztor gestanden hatten. Als wir vorne angekommen waren meinte er, wir hätten in dieser Spur nichts verloren, aber Ausscheren ging zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als uns nach einer weiteren Stunde – mittlerweile war es Nacht und die Temperaturen sehr frostig - doch in den Grenzbereich einzuwinken. Iris vertrieb sich die Zeit geduldig wartend im Grenzhäuschen. Wie immer musste sie als Beifahrerin die Grenze zu Fuß passieren. Die Fahrzeugkontrolle bei der Ausreise war sehr genau und zeitaufwendig. Vielleicht wollten uns die Zöllner einfach wissen lassen, wer an dieser Grenze das Sagen hat. Gegen 1000 Tenge Bares konnten wir auf einem – an einem Restaurant angrenzenden – Privathof für die Nacht parken, womit ein erholsamer Nachtschlaf garantiert war. Schnell waren wir auf bereits aus dem Vorjahr bekannten Straßen durch das winterliche Kasachstan geeilt um schließlich, nach einer weiteren Nacht an einer Grenze südlich von Taschkent, am Sonntag in Usbekistan einzureisen.

Vor der usbekischen Grenze
Auch hier das wiederrum zeitraubende Anstehen. Ausgeschlafen fuhren wir morgens an den wartenden LKWs vorbei, um gegen acht Uhr als erstes Auto in den Grenzbereich eingelassen zu werden. Um zwei Uhr wurden wir, immer noch als eines der ersten Fahrzeuge des Tages, in Usbekistan wieder ausgespuckt. Dazwischen – Zöllner, die die Sonne genießen, Mittagessen und sich einfach nicht stressen lassen. Das auf kasachischer Seite noch 30 LKWs darauf warteten, ebenfalls durch die Grenze zu dürfen, schien bei den Usbeken keinen zu stören. 


Mit Zwischenstopp auf bekanntem Terrain in Samarkand gab es hier in Buchara erst einmal 3 Tage Pause. Mit der Kamera bewaffnet strolchte Iris durch die teilweise einsamen Gassen. Sind in Samarkand die Sehenswürdigkeiten alle aus einer ähnlichen Zeitepoche und in der ganzen Stadt verstreut, liegt in Buchara vieles nah beieinander. Baudenkmäler aus verschiedenen Epochen, mal reine Ziegelbauweise, mal reich mit Ornamenten verziert, wechseln sich ab. In der Altstadt kann man noch nachempfinden, wie das Leben zur Zeit der Seidenstraßenblüte wohl gewesen ist. Das zentrale Wasserbecken, das Lavi Hauz, an das wir im angrenzenden Hotel Asia auch für 30.000 Sum p.N parken dürfen, versorgte früher die ganze Stadt mit Wasser. Mit der Hygiene muss es wohl nicht so weit her gewesen sein, den es ist zu lesen, dass die Bürger Bucharas früher häufig von einem parasitären Wurm befallen waren. Hatte man sich diesen Wurm eingefangen, ging man zum Barbier, damit er das, bis zu einem Meter lange, bindfadendicke Stück wieder herausziehen möge.
 
 
 



Für die Registrierung am Hotel müssen wir nochmal extra 10 $ Dollar zahlen. Ging das im letzten Jahr noch alles gegen einheimische, zu günstigem Kurs getauschte Währung, müssen Ausländer in Hotels seit diesem Jahr ihre Rechnung ausschließlich in Dollar zahlen. Da kommen wohl auch wir nicht dran vorbei.


Neben Medresen, Moscheen und Minaretten aus verschiedenen Epochen gibt es in Buchara auch eine Festung und verschiedene, mit Kuppeln überdachte Wegkreuzungen zu bestaunen. Heute ist alles fest der Hand der Souvenirhändler, die in den ehemaligen Studierzellen der Koranschüler und vielen anderen Nischen der verwinkelten Stadt ihre Waren feilbieten. Eintritt wird nur manchmal verlangt. Wir haben gehört, dass die Händler im Gegenzug für die Nutzung der Räume Abgaben an die Stadt zahlen müssen. In Samarkand hatten wir zeitweilig den Eindruck, dass wir für den Besuch der Souvenirmeile noch extra zahlen müssen!








Am 14. März dürfen wir an der Grenze südlich von Nukus nach Turkmenistan einreisen. 5 Tage wurden uns für den Transit genehmigt – ausreichend Zeit, das turkmenische „Tor zur Hölle“ zu besuchen. Bis dahin gilt es nochmal ein paar Kilometer unter die Reifen zu nehmen und Khiva, eine weitere der legendären Seidenstraßenstädte, wartet auch noch auf unseren Besuch.
Nasruddin auf seinem Esel

Dienstag, 28. Februar 2017

Die Karawane zieht weiter..


In den Startlöchern :-)
Kaum sind wir vor gut 4 Monaten von Bishkek aus nach Deutschland geflogen um dort den Winter im Kreise unserer Lieben zu verbringen, ist die Winterpause auch schon wieder um. Hilmars selbstauferlegtes Gymnastikprogramm, das mit  ärztlicher Absegnung schnell ausgetüftelt war, hat der in Germering bei Iris Eltern verbachten Zeit Struktur gegeben. Die Zeit, die wir unter einem Dach – hilfreicher Weise auf zwei infrastrukturell unabhängige Stockwerke verteilt – in unserer 4er Senioren-WG verlebten, möchten wir  beide unter keinen Umständen missen. 
Ein Kompliment auch im öffentlichen Raum an Iris Eltern, einem rüstigen Rentnerehepaar: Schön war es mit euch beiden und herzlichen Dank fürs „Aushalten“ unserer Energien! 

Das ist in eurem Alter keine Selbstverständlichkeit!

Nun ist Hilmar wieder fit und wir nach einem kurzen, unseren Deutschlandaufenthalt abschließenden Abstecher in unsere alte Heimatgemeinde Langenbach pünktlich an Iris Geburtstag, dem 23.02  (so hatte sie es sich gewünscht) wieder in Bishkek angekommen.
Mittlerweile sind wir ziemlich sicher, dass wir spätestens im Oktober wieder auf deutschem Boden sein werden. Bis dahin ists ja nicht mehr lange hin. Viele Eurer Geburtstagswünsche haben Iris pünktlich erreicht – wofür sie sich auf diesem Wege auch herzlich bedanken möchte!

Nach nur 2 Tagen im Tunduk Hostel, indem wir auch letztes Jahr im Sommer eine sehr angenehme Zeit verbracht haben, sind wir gestern in unseren Jonny eingezogen. Er steht jetzt wieder im Hof des Hostels und alles fühlt sich sehr warm und vertraut an. Der erste Kontakt mit unserem treuen Reisegefährten war schnell aufgenommen. 
Ahmad „von neben an“ hat mit seiner Familie gut auf unser gutes Stück aufgepasst.

Im Austausch für die Wächterdienste übergaben wir ein kleines Gastgeschenk – Schal, Mütze, Handschuh für seine Kinder – und er bekam die zweite Hälfte der als Parkgebühr vereinbarten Summe in die Hand gedrückt.

Tief erschöpft von Kulturwechsel, Jetlag (immerhin 5 Stunden) und dem Gedanken, ob unser Jonny hoffentlich ohne Murren anspringen möge, sind wir 2 Tage später abends in unser Bett im Jonny gefallen. Hilmars größte Sorge, dass nämlich die Starterbatterien aufgrund des zentralasiatisch kalten Winters zu Schaden gekommen sein könnten, wurde von unserem Jonny mit einem Handstreich vom Tisch gewischt - er sprang ohne auch nur einmal kurz zu Murren wieder an.

Der Schnee, der um diese Jahreszeit in Bishkek noch manchmal fällt, wird am Tag schnell vom blauen Himmel und den tagsüber schon sehr frühlingshaften Temperaturen weggeschmolzen. Man soll hier in den tief verschneiten Bergen, die direkt hinterm Haus beginnen, auch sehr gut Schifahren können. Wir haben die Einladung, die wir gestern dazu erhielten, allerdings abgelehnt. Einerseits verlockend, wollten wir uns doch auf den bevorstehenden Aufbruch konzentrieren.
Hilmar ist wieder in seinem Element und pusselt in altbewährter Manier ums Auto rum. Auf dem örtlichen Bazar konnten wir noch ein paar in Deutschland zurückgebliebene Dinge ergänzen. Vor allem mussten dringend eine neue Haarbürste und ein paar Haarklammern für Iris her. Die in den letzten 2 Jahren gewachsenen langen Haare bleiben nämlich erst mal dran.

Jetzt warten wir zwar immer noch auf die finale Info unserer Visaagentur, dass der geplante Transit durch Turkmenistan auch wirklich von statten gehen kann. Es sollte noch eine email kommen, die eine Registrierungsnummer und die Daten für die genehmigten Grenzübergänge enthält. Irgendwie sind wir aber sicher und felsenfest davon überzeugt, dass da nichts mehr schief gehen wird und wir am 14.03. in der Nähe von Khiva wirklich an der turkmenischen Grenze stehen.


Vorher wollen wir noch Buchara, eine weitere der legendären Seidenstraßenstädte, sehen. Bei unserem letzten Besuch in Usbekistan sind wir nur bis Samarkand gekommen, wo wir uns schon jetzt wieder hinterm berühmten Hauptplatz stehen sehen. Das entsprechende Lokal, in dem wir abends Essen gehen werden, können wir schon vor unserem inneren Auge sehen. Manchmal ist es sehr entspannend, einen Teilabschnitt einer Reise bewusst ein zweites Mal anzugehen.

Kurz vor Navrouz, dem islamischen Frühlingsfest, werden wir - sofern nichts dazwischen kommt - endlich in den Iran einreisen. In wieweit wir bis dahin und auch in der Zeit im Land selbst, in der Lage sind, Blogeinträge zu veröffentlichen, können wir im Moment noch nicht sagen. Die Nutzung von WIFI und WLAN im öffentlichen Raum sind im Iran derzeit noch stark eingeschränkt. Rechnet daher bitte frühestens Ende April mit einem Update über den weiteren Reiseverlauf.
 

Wir wünschen euch allen einen wunderbaren, sonnigen und hoffnungsfrohen Frühlingsanfang! 

Herzlichst,
Iris&HIlmar (wir freuen uns nämlich auch!)