Samstag, 22. November 2014

Im Südwesten Europas...

Auf unserem letzten Stopp in Europa gilt es nochmal Wäsche zu waschen und unseren Jonny wüstentauglich umzupacken, d.h. die Regenjacken dürfen erst einmal in eine der hinteren Kisten. 8 km vor Tarifa ist es höchste Zeit, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen, denn am Wochenende geht es auf die Fähre nach Marokko, dem eigentlichen Ziel unserer diesjährigen Winterreise.

Erster Stopp in Nordportugal - Caminha

Bis auf die ersten Wochen in Schottland hatten wir auf unserer bisherigen Reise wirklich sehr viel Glück mit dem Wetter. Sonne in Irland, 4 Wochen Badeurlaub in der Bretagne und ein kurzer Anflug von Azorentief vor der spanischen Grenze – wir haben bisher wirklich keinen Grund uns zu beklagen. Aber seit wir Anfang November die Grenze nach Portugal überquert hatten, sieht es anders aus. Die ersten beiden Wochen hatten wir viel Regen, auch die Standheizung mussten wir das ein oder andere Mal aktivieren. 

Porto

Porto

 
Aber unterm Strich können wir uns auch über das schlechte Wetter nicht beschweren, spitzte doch in entscheidenden Momenten die Sonne zwischen den Wolken hervor und verwandelte unerwartet die angedachten Stadtbesichtigungen in Erlebnisse, bei denen wir den ein oder anderen Kaffee im Freien genießen konnten. /Es gibt viel zu sehen in Portugal! Viele alte, gut erhaltene Städte mit verwinkelten Gassen, Treppen, Burgen und Kirchen. Es tut sich ein wahres Sammelsurium an Möglichkeiten auf. Es hat sehr viel Spaß gemacht, die einzelnen Städte zu erobern. Porto, die alte Seefahrerstadt, die ein Labyrinth von Möglichkeiten bietet sich zu verlaufen, mit ihren Portwein-Destillerien aufwartet und an jeder Straßenecke eine neue Überraschung auf Lager hat. Coimbra mit seiner Universität, die auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück blickt und seinem Fado, dem traditionellen portugisischen Gesang, der zu Tränen rührt und hier gepflegt wird. Auch die alten Römer wussten, dass es in dieser Ecke Europas schön ist. In Conimbriga, südlich von Coimbra, gibt es Ausgrabungen, die sich lohnen besichtigt zu werden. Eine ganze Stadt wurde hier freigelegt! Die Grundrisse der einzelnen Häuser mit ihren Thermen und Fußbodenmosaiken sind sehr gut erhalten und der Parkplatz vor der Anlage als Übernachtungsplatz hervorragend geeignet. Die Portugiesen sind, zumindest zu dieser Jahreszeit, sehr entgegenkommend, wenn es darum geht einen Stellplatz für die Nacht zu finden.
Coimbra Universität


Coimbra
Generell haben wir die die Erfahrung gemacht, dass selten jemand „nein“ sagt, wenn wir vorher höflich anfragen, ob wir mit unserem Jonny für die Nacht irgendwo stehenbleiben dürfen. In Tomar gab es an einem sehr regnerischen Tag noch ein Aquädukt und das Ordensschloss der Chistusritter zu bestaunen, das durch seine Größe und prachtvolle Ausstattung erahnen lässt, wie gut es den ehemaligen Tempelrittern vor 700 Jahren gegangen ist. Unweit von Tomar haben wir in Constanzia, einem kleinen Örtchen am Zusammenfluss von Rio Tejo und Rio Zedere am Flussufer übernachtet und uns abends von der örtlichen Gastronomie verwöhnen lassen. Am nächsten Tag ging es bei klarem Himmel und angenehmen Temperaturen zielstrebig wieder Richtung Küste. In Alcácer-do-Sal südlich von Lissabon hatten wir uns mit Klaus und Gisi verabredet, Bekannte aus Deutschland, die mit ihrem 911er ebenfalls nach Marokko wollen. Anfang Oktober hatten wir über deren Blog mitbekommen, dass wir eine ähnliche Reiseroute haben und da lag es nahe, sich zu treffen.

Mosaikböden in Conimbriga
Spaziergang auf dem Aquädukt


 

















Die letzte Etappe vor unserem Treffpunkt durchs Landesinnere haben wir sehr genossen. Waren in den Bergen vorher Eukalyptusbäume vorherrschend, änderte sich die Landschaft ab Tomar sehr. Die flächendeckende Bebauung, die an und in der Nähe der Küste die Straßen säumt, fehlte gänzlich. Zuerst haben wir es gar nicht gemerkt, so sehr hatten wir uns an die Häuserzeilen rechts und links der Straße gewöhnt. Die N3, die wir gewählt hatten um nach Alcacar zu kommen, verläuft mitten durch Portugal, weit und breit nichts zu sehen, außer hier und da ein Hof und drum rum endlose Korkeichen- und Olivenwälder.

Korkeichen "unten ohne"
Es ist auch aufgeräumter und lieblicher als im Norden. Aber so richtig anfreunden konnten wir uns mit Portugal bis zum Schluss dennoch nicht. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Vorfreude auf Marokko. Auch erkannte Hilmar, der das letzte Mal vor über 20 Jahren in Portugal war und sich sehr auf dieses Land gefreut hatte, vieles nicht wieder und die Vorfreude auf das Wiedersehen mit diesem Land und den damit verbundenen Erinnerungen war bald verflogen.

Das Treffen mit Klaus und Gisi in Alcacer war herzlich und der Entschluss, die Reise nach und durch Marokko gemeinsam anzutreten schnell getroffen. Ab jetzt fahren wir im Doppelpack. Ein blauer und ein beiger 911er, die gemeinsame Sache machen. Da sich das Wetter weiterhin als sehr unbeständig herausstellte, ging  es ohne größere Umwege über die Algarve nach Spanien, wo wir nun nur noch auf Zusendung der aktualisierten grünen Versicherungskarte warteten, bevor es endgültig von Tarifa aus nach Marokko geht. Dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Freunde aus Winterrieden daheim, die sich um unsere Post kümmern, hat alles reibungslos geklappt und die heiß ersehnten Dokumente haben wir rechtzeitig per email erhalten. In Silves, einer sehr reizvollen Stadt im Süden Portugals hatten wir vorher nochmal einen 2 Nächte Stopp eingelegt. Die Stadt steht nicht nur bei deutschen und  niederländischen „Überwinterern“ hoch im Kurs – auch Storche finden hier ein ideales Revier, klappern eifrig um die Wette und ziehen in Scharen über den Wiesen vor der Stadt ihre Kreise.  
 


Für Hilmar und Klaus gab es in Silves noch ein ganz eigenes Abenteuer zu bestehen, hatten wir doch unseren Navigationsgeräten vertraut und sind daher sehenden Auges in die Altstadt hineingefahren. Einmal drin mussten wir aber wieder raus und dass war angesichts der Enge in den Gassen nur dank der Fahrkünste und schiffstaudicken Nerven der beiden von Erfolg gekrönt.
 
Denn zwischen Stromkasten und den am Straßenrand abgestellten Fahrzeugen war höchstens eine „Jonnybreite“ platz, Reifen auf Bordstein inklusive. Rechts und links noch je 2 cm und fertig war das Gesamtkunstwerk. Eine herbeieilende Polizistin bewahrte Gott sei Dank die Ruhe, die Bevölkerung unterstützte tatkräftig mit vielen guten Ratschlägen und einem herzlichen Durcheinander. Insgesamt hatte die Aktion sicherlich eine gute Stunde gedauert, wobei zum Schluss doch der ein oder andere Besitzer der am rechten Straßenrand parkenden Autos auftauchte und Hilmar nach viel Aufregung davor bewahrte, ein an der Hauswand links befindliches Firmenschild auch noch abschrauben zu müssen. Leider gibt es von dem Event keine Liveaufnahmen, aber die Aufmerksamkeit aller Beteiligten richtete sich ausnahmslos auf die Befreiung unserer Fahrzeuge!
Kurzfristig hatten wir uns nochmal von unseren Reisebegleitern getrennt, morgen sehen wir uns wieder und dann geht’s endlich nach Afrika!
Mittags an der Algarve - Westküste
 


Sonntag, 2. November 2014

Jonny auf dem Jakobsweg

Zu Beginn gleich zwei gute Nachrichten:

1)      Die Dieselleitung und der undichte Wasserhahn sind dicht!
2)      Uns ist zu passender Zeit ein Mittgasmenü quasi zugefallen, das keine Ansprüche offen ließ!

AXOA schmort
 
Am Mittag vor unserer Abreise wurde am Campingplatz groß aufgekocht! Eine „Menü Basque“ sollte es geben, alle Gäste, die noch da waren, hatten zugesagt. Es war wirklich eine große Freude, in einer Runde mit ca. 25 Franzosen ein Mahl zu zelebrieren, das alle die, im letzten Blog erwähnten Anforderungen, erfüllte: Preis, Zeitpunkt, Menge, Stimmung, Örtlichkeit – alles traf ideal zusammen. Und ein „Zufallsfranzose“ aus dem Elsass war auch dabei. Wie sich im Gespräch – er wurde im Vorfeld vom Besitzer des Campingplatzes gefragt, ob er sich etwas um uns wenig französisch sprechende Gäste kümmern könne – herausstellte, war er am ersten Tag nach Ende des letzten Krieges geboren und daher - seiner Ansicht nach - nur per Zufall "Franzos". Wir haben kräftig zugeschlagen, ließen uns den Wein, die Nachspeise und überhaupt alles wunderbar munden und gingen nahtlos zum Mittagschlaf über. In bester Stimmung haben wir uns demnach am nächsten Morgen Richtung St. Jean Pied en Port aufgemacht.

Eigentlich hatten wir uns nur einen, für unseren Jonny  möglichst stressfrei zu absolvierenden Pyrenäenübergang aussuchen wollen, aber kurz vor dem Etappenziel kam dann alles anders. Von einem ehemaligen Pilger, den wir am nächsten Tag trafen, hatten wir erfahren, dass einem der Jakobsweg quasi „zufällt“, wenn er ansteht. Und so scheint es bei uns auch gewesen zu sein. Nachdem Iris kurz vor dem Tagesziel spontan entschloss, den Rest der für den Tag geplanten Etappe, immerhin doch noch 13 km, bis zum avisierten Stellplatz zu Fuß zurück legen zu wollen, hat uns der Jakobsweg erst 10 Tage später in Santiago de Compostela wieder ausgespuckt. Unser Jonny ist zum „peregrino“ geworden!
 

St Jean Pied en Port
 
HInterm Jakobstor
 

Am Ibaneta-Pass Blick nach Frankreich

Roncesvalles
 
Einer der Höhepunkte der Weiterfahrt war sicherlich der Aufenthalt in Roncesvalles, der ersten und wohl auch anstrengensten Etappe des Weges. Unser Jonny kletterte tapfer die Passstrasse hinauf und auch er musste oben erst einmal kräftig verschnaufen. Wir durften auf dem Klosterparkplatz übernachten und sind am Sonntagmorgen gemeinsam ein Stück die Pyrenäenetappe rückwärts gegangen. Unterwegs hatten wir schöne Begegnungen, gute Gespräche und wenig Muse, uns um Übernachtungsplätze abseits des Weges zu kümmern.

Einem „peregrino“ möchte ich in diesem Blog ein Denkmal setzen, denn wer den Jakobsweg in 5 Jahren gleich 4 Mal geht und sich mittlerweile nach Zielerreichung auch wieder zu Fuß auf den Nachhauseweg macht, MUSS einfach erwähnt werden! Jeden Morgen haben wir überlegt, ob wir dem Camino de Santiago weiter folgen sollen, aber die Entscheidung blieb bis zum Schluss immer die Gleiche. Wir hätten keine Alternative gehabt. Beide hatten wir zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass dies ein Weg ist, der gegangen werden muss, aus welchen Gründen auch immer.
In Santiago waren wir dann fast ein bisschen enttäuscht, da sich sie die Stimmung, die wir noch am Anfang des Weges in St. Jean Pied en Port und in Roncesvalles angetroffen hatten, sehr verflacht hatte. Es war kaum mehr auszumachen, wer ein Pilger und wer Tourist ist. So blieb es am Ankunftstag auch bei einem kurzen Stadtbummel, den wir am nächsten Tag nochmal wiederholten, um uns anschließend ohne weiteren Umweg direkt Richtung Portugal aufzumachen. Da sind wir nun. Kurz hinter der Grenze, wo sich zum ersten Mal seit Wochen kräftiger Regen auf unserem Dach austobt, was um diese Jahreszeit keine Seltenheit ist. Daher geht’s morgen auch weiter in den Süden, wo wir wohl erst südlich von Porto den Anker wieder auswerfen werden.
 
Camino de Santiago




Unterwegs...
Burgos

Montag, 13. Oktober 2014

Kurz vor Spanien...

Wer hätte das gedacht? Kaum vergehen 4 Wochen und immer sind wir noch in Frankreich! Zuerst hat uns die Bretagne nicht los lassen wollen, jetzt sind wir im Süden, in der Nähe von Biarritz angekommen und warten auf den Impuls zum Weiterfahren! An unserem kleinen Campingplatz in Camaret-sur-Mer sind wir tatsächlich noch einen weiteren Tag geblieben. Alles war zur Abfahrt bereit, nur wir noch nicht! Morgens haben wir bei wunderbarem Sommerwetter die Augen aufgemacht und den Tag am Strand verbracht. Abends wurde es zwar ziemlich schnell sehr „schattig“, aber tagsüber war es einfach herrlich. Auch die Weiterfahrt stand wettermäßig unter einem guten Stern und wir bummelten mit Abstecher nach Pointe de Van über Audierne Richtung Concarneau, wo wir überraschender Weise einen Parkplatz mitten in der Stadt und viel Platz zum Bummel durch die berühmte „Ville Close“ hatten. 

Sonnenuntergang am Hausstrand
Pointe de Van
Audierne
Während der Saison drängeln sich hier die Menschen, wie in anderen als sehenswert gekennzeichneten Örtchen generell, dicht an dicht. Wir empfinden die Jahreszeit, zu der wir unterwegs sind, sowieso als sehr angenehm. Zwar haben schon viele Restaurant`s, Campingplätze und sonstige touristische Infrastrukturen geschlossen, dafür kann es aber auch passieren, dass wir rein zufällig in einem mittelalterlichen Städtchen landen, uns darüber freuen, was für ein „Kleinod“ wir gefunden haben und erst danach im Reiseführer lesen, dass wir den Tag in einer der schönsten Städte der Bretagne verbracht haben, die in jedem Reiseführer als „Muss“ erwähnt wird. So geschehen in Rochefort-en-terre, wo es neben dem intakten mittelalterlichen Stadtbild mal wieder eine Chocolaterie gab, in der Hilmar nicht wiederstehen konnte und sich ein kleines Sortiment an leckersten Pralinen als Wegzehrung zusammen stellte. 

Über die Loire
Versuchung pur
Nach 20 Tagen haben wir schließlich den Absprung von der Bretagne geschafft und bei St. Nazaire die Loire überquert. Die Tage davor haben wir, einem plötzlichen Anflug von Küstenmüdigkeit folgend, einen Abstecher ins Landesinnere gemacht und mehrere Übernachtungsstopps in kleinen, abgeschiedenen Örtchen eingebaut. Nach so viel Meeresrauschen war es sehr angenehm, die Nächte einmal wieder in absoluter Stille zu verbringen, die nur durch die abendlich rufenden Käuzchen und die Vögel am Morgen unterbrochen wurde. Auf diesen abgelegenen Stellplätzen waren wir oft ganz alleine, was nach dem Trubel an der Küste sehr angenehm war. Spätsaison in Frankreich heißt nicht, das gar keiner unterwegs ist. Die Franzosen haben eine ausgeprägte Wohnmobilkultur und auch außerhalb der Saison werden die gut ausgebauten Stellplätze von überwiegend älteren Ehepaaren genutzt. Rentner unter sich sozusagen und wir mitten drin! 

Landpartie
Der Küstenabschnitt südlich der Loire ist geprägt von ausgedehnten Pinienwäldern und schier endlosen Sandstränden. Das Meer ist allerdings an vielen Stellen tückisch und Baden daher nicht überall möglich, was inzwischen aber auch am Wetter liegt.

Nachsaison - Montalivet les Bains

Am 5. Oktober hat uns der Herbst eingeholt und begleitet uns seit dem mit zwar warmen, aber eher wechselhaftem Wetter. Derzeit genießen wir in Rivière Saas et Gouby die spätsommerlichen Tage wiederrum auf einem kleinen Campingplatz (www.campingloubascou.fr), von wo aus wir Spaziergänge durch die hier angrenzende Flusslandschaft des Adour unternehmen, in dem es wildlebende Pferdeherden und unzählig viele Storchennester zu bestaunen gibt – letztere sind derzeit leider verwaist und werden erst Ende Dezember wieder bezogen.

Les Ponies de Barth

Mittlerweile sind wir im Reisen wirklich angekommen. Die Tage haben etwas Unaufgeregtes, was auch der Tatsache, dass sich Hilmar fast die ganze letzte Etappe über mit einer undichten Dieselleitung rumschlagen musste, etwas Beiläufiges gab. Immer mal wieder anhalten, gucken ob es leckt, neue Schläuche einziehen – eine Reparatur in Etappen sozusagen, die insgesamt 12 Tage in Anspruch nahm und mal am Straßenrand, mal auf dem Stellplatz erledigt wurde. Jetzt hoffen wir einfach, dass alles hält und der undichte Wasserhahn im Bad noch die einzige Baustelle ist, um die wir uns kümmern müssen.

Krieg ich die jemals wieder dicht?
Bisher haben wir es nur einmal geschafft, uns mittags eines der köstlichen und preislich günstigen Mittagsmenüs, die im ganzen Land in den kleinen Bars und Brasserien am Wegesrand serviert werden, einzuverleiben. Meist sind wir zu spät dran, oder zur passenden Zeit ohne Hunger oder es ist kein kleines Örtchen zur Hand, aber wir arbeiten dran uns nochmal so richtig den Bauch voll zu schlagen bevor wir Frankreich verlassen. Denn ca.13€ für 4 Gänge inklusive Wein und Cafe werden wir so bald nicht wieder finden. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf die Pyrenäen, die vor uns liegen. Unser nächstes Ziel ist Pamplona, danach geht’s weiter nach Burgos, anschließend werden wir sehen. Auf den Stellplätzen treffen wir immer öfter auf andere „Zugvögel“, die wie wir, das gleiche Ziel haben, nämlich den Winter in Marokko zu verbringen. Da ist manch ein alter Hase dabei, der uns mit wertvollen Tipps versorgt.

"Zugvögel"

Und zum Schluss noch ein paar bretonische Impressionen.
In der Regel gilt: Je größer die Kirche, desto kleiner der Ort außen herum. Sie haben uns sehr fasziniert, die bretonischen Kirchen, Wir haben viele davon besucht und hin und wieder auch ein Kerzlein angezündet. 

Chapelle de Lochrist
Notre Dame de Quelven

Chalvaire in Rochefort


Mittwoch, 24. September 2014

Bei Obelix zu Besuch

Bevor wir wieder „on tour“ gehen, gibt’s ein paar Zeilen aus der Bretagne, wo wir die letzten Tage einen entspannten und dringend nötigen Badestopp eingelegt hatten. Jawohl! Mitte September in der Bretagne! Die Sonne scheint immer noch, die See ist meist ruhig und erst heute frischt der Wind wieder auf.
Menhir de Men Marz



Nach unserer Ankunft im Finistere, der äußersten westlichen Ecke Frankreichs, wurden die Tagesetappen immer kürzer und das Hirn immer leerer. Dem „Geheimtipp“ eines Reisenden, den wir an unserem ersten Übernachtungsstopp trafen, folgend, fuhren wir von Carantec aus (Lecker Muscheln!) immer an der Küste entlang Richtung Westen. Der einsame Übernachtungsplatz in den Dünen lockte und wir ließen viele mögliche, sicherlich sehr friedvolle Stellplätze, die am Wegesrand lagen, aus. Das Ziel waren die Dünen von Lampaul-Ploudalmézeau. Bei Ebbe soll man noch Wrackteile des Tankers Amoco Cadiz sehen können, der hier vor vielen Jahren gestrandet ist und durch das auslaufende Öl eine der größten Umweltkatastrophen der Bretagne ausgelöst hatte. Wir haben sie aber nicht entdeckt. Der Strand dort ist wunderschön, und auch den Stellplatz haben wir gefunden. Es hätte eine sehr friedliche und idyllische Nacht werden können, wäre nicht kurz nach unserer Ankunft ein umgebauter Möbellaster mit 3 jungen Männern im Gepäck angekommen. Eine junge Dame kam mit dem PKW hinterher und eh wir es uns versahen, hatten verschiedenste schlaftaugliche Fahrzeuge um uns herum geparkt und ca. 15-20 junge Menschen veranstalteten eine Strandparty! Zugegeben, die Musik war gut, da bretonisch Techno, aber eigentlich hatten wir uns die Nacht anders vorgestellt. Wir sollten in Zukunft im Bezug auf Übernachtungsplätze doch eher unserer Intuition und nicht den Empfehlungen anderer folgen. Auch die nächste Nacht ein paar Kilometer weiter war unruhig, hatten sich doch gleich mehrere Stechmücken in unserem Auto ein Stelldichein gegeben.

Frühstück mit Huhn

Chapelle de St Méen
Daher haben wir gezielt nach einem kleinen Campingplatz gesucht, auf dem wir für ein paar Tage den Anker auswerfen durften. Es war Zeit, die Seele nachkommen zu lassen. Mittlerweile sind wir 2 Monate unterwegs und haben, ohne Anreise, nach Schottland und Irland den dritten Kulturkreis betreten. Da braucht es zwischendrin auch eine „Verdauungspause“. In Camaret-sur-Mer auf der Crozonhalbinsel, südlich von Brest, sind wir fündig geworden. Kleines, leger geführtes Areal, Strand vor der Tür, herzliche Gastgeber und viele Hühner, die morgens in Scharen angetappst kamen, um sich die Reste des Frühstücks einzuverleiben
Unser Hausstrand
(www.trezrouz.com) . Eines wäre ja fast auch in den Kochtopf gesprungen, aber leider ist aus dem „Coque á vin“ nichts geworden! Seit Uig auf der Isle of Skye in Schottland sollte dies der erste Übernachtungsstopp mit mehr als 2 Nächten an einem Ort werden. Heute werden wir die 5te Nacht hier verbringen, aber die Zeichen stehen wieder auf Aufbruch. Das Motorrad, das für die täglichen Einkäufe im Ort sehr hilfreich ist, wurde eben wieder verstaut und die Wäscheleine eingezogen. Dies geschieht eher absichtslos, aber an dem was wir tun, sehen wir auch, was wir tun werden! So ist das mittlerweile.

Menhir de Kerloas















Wir kommen dem absichtslosen, bedürfnisorientierten Reisen immer näher. Vielleicht hat aber auch Obelix mit seinen vielen Hinkelsteinen die Finger im Spiel gehabt, denn mit denen fing alles an. Kaum hatten wir rein zufällig den ersten Menhir, Menhir de Men Marz, am Straßenrand entdeckt, ist bei Iris das „Steinesammelfieber“ ausgebrochen und sie hat alle auf der Karte und im Reiseführer angegebenen Menhire und Dolmen, die auch nur ansatzweise auf unserer Route liegen könnten, markiert. Hilmar blieb dann nichts anderes übrig als per GPS von Hinkelstein zu Hinkelstein zu fahren. 

Menhirs les Langatjar

Pointe de St Mathieu
Viele Menschen fahren extra wegen der Steine hierher. Uns sind sie quasi rein zufällig vor die Füße gefallen, hatten wir uns doch im Vorfeld wenig Gedanken darüber gemacht, was uns in der Bretagne erwarten würde. Nun sind wir erst einmal gesättigt und gut erholt. Auch wenn es uns hier ausnehmend gut gefällt und es viel zu entdecken gibt,  zieht es uns weiter in den Süden. Die bretonische Küste ist mit einer Tide von bis zu 8 Metern, vielen kleinen Stränden und den Kreuzen und Kirchenruinen, die es zu bestaunen gibt, sehr abwechslungsreich. Die immer wiederkehrenden Festungs- und Bunkeranlagen aus den letzten Kriegen, erinnern eindrucksvoll an unsere jüngere Vergangenheit und sind hier allgegenwärtig.

Trotz all dem werden wir morgen wohl ein Stück weiter ziehen. Wir hoffen, dass uns das jahreszeituntypische, ausnehmend gute Wetter, noch ein Stück begleiten wird.




 
Wo ist das Meer?


Montag, 15. September 2014

Die grüne Insel

Irgendwie fühlt sich das Leben hier anders an. Das Licht ist weicher, die Temperaturen freundliche 5 -10 Grad wärmer und beim Betreten der ersten Boulangerie am Morgen, genoss Iris den köstlichen Geruch von frisch gebackenem Brot, Croissants und leckeren Patisserie Teilchen!
Sonntagmorgen um 6 Uhr, es war noch stockdunkel, sind wir mit der Brittany Ferrys in Roscoff angelandet und als 4tes Fahrzeug von der Fähre gerollt. Noch etwas durcheinander vom frühen aufstehen und auf der Suche nach einem Cafe au lait, sind wir zielsicher bei einem großen Wein und Bier Supermarkt gelandet, an dem JEDER, der von der Fähre kommt, vorbei muss. Davor: jede Menge Autos mit englischen Kennzeichen; innen: jede Menge Männer, die mit einer Tasse Kaffee in der Hand die Vorräte für den bevorstehenden Urlaub zusammenhamsterten. Was dazu führte, dass auch wir als erste Tat auf französischem Boden unsere Weinvorräte aufstockten und dafür mit einer Tasse Kaffee belohnt wurden. Ein ausgeklügeltes, sehr erfolgsversprechendes Unternehmenskonzept!

Fuchsien-Hecken überall
Die Tage in Irland haben wir sehr genossen. Das Wetter war untypisch sonnig, fast heiß, der Himmel oft blau. Wer jetzt aber atemberaubende Fotos von der Küste erwartet, wird enttäuscht werden. Dies liegt einerseits an dem für diese Jahreszeit typischen Dunst, der jedem Bild einen Grauschleier verpasst. Andererseits aber auch an der Route, die wir für unseren Irlandaufenthalt gewählt hatten. Wir hatten Lust auf alte Mauern, Städte und Besichtigungen. Auch ist Irland für uns, speziell für Iris, kein unbekanntes Land, hat sie doch in den 80er und 90ern viele Male diese wunderbare Insel bereist und auch ihre Kindheit hier verbracht. Zwischen unserem letzten – dem einzig gemeinsamen Besuch in Irland und jetzt-  liegen 16 Jahre. Sehr entscheidende Jahre für den Charakter des Landes. Dazwischen liegt der Boom, der zeitgleich mit den Milleniumsfeiern von 2000 einsetzte. Viele neue Häuser, viele neue Autos, viele neue Straßen, die auf unserem Kartenmaterial von 1998 noch nicht mal als angedachte Linien eingezeichnet waren. Autobahnen sind entstanden, viele Städte haben eine Ortsumgehung bekommen und die Mobilität im Land hat zugenommen. Es ist einerseits sehr segensreich, verändert aber auch den Zugang zu Land und Leuten.

Bushmills in englischen Farben
Wir hatten 14 Tage Zeit, das neue alte Irland zu erkunden. Mittlerweile ist vom Boom nicht mehr viel zu spüren und die jungen, gut ausgebildeten Iren verlassen wie früher das Land, um woanders eine entsprechende Arbeit zu finden. Eigentlich ist alles wie früher, nur die Infrastruktur hat sich verändert. Ein Ire, mit dem wir sprachen, meinte auch, es sei sehr segensreich, dass Aldi und Lidl Einzug gehalten hätten im Land, denn nun könnten die Familien endlich mal zu günstigen Preisen einkaufen. Das dies ein Sterben der kleinen Läden mit sich bringt und zu verwaisten Schaufenstern in den Ortszentren führt, schien ihm nichts auszumachen.

Friedensdenkmal in Derry







Trotz aller Veränderungen haben wir unsere
14 Tage in Irland sehr genossen. Die Route führte uns zuerst an der Küste Nordirlands entlang. Eine Gegend die durchaus auch einen Besuch wert ist, aber sicherlich in Bezug auf landschaftliche Highlights nicht an die irischen Küsten heranreicht. Giants’s Causeway, Bushmills und Derry lagen auf unserem Weg,

White Park Bay, Nordirland
ersteres mit einem für uns wenig einladenden, neu errichtetem Visitorcenter, Derry mit seiner wechselvollen, gewaltgeprägten Geschichte, die heute imagebildend vermarktet wird. Auch wenn sich in Derry die beiden Lager der irlandverbundenen Katholiken und englischtreuen Protestanten nicht mehr die Köpfe einschlagen, ist die ideologische Teilung der Stadt durchaus noch spürbar. Hoffen wir, dass das Friedensdenkmal in der Mitte eines Kreisverkehrs am Stadtausgang hält was es verspricht. Gewechselt haben wir die Seiten zwischen dem Pfund- und dem Euroland auf unserer Route gleich zweimal, haben wir doch – noch auf nordirischer Seite – auf unserem Weg nach Derry eine Hinweistafel zu einer kleinen Fähre entdeckt, die uns in 10 Minuten über den Lough Foyle , die Bucht oberhalb Derrys, die das nordirische County Ulster vom irischen Count Donegal trennt, transportiert hat.


Fähre nach Greencastle, Co. Donegal
Dort haben wir erst einmal einen entspannten nächsten Stopp an einer kleinen Bucht in Dunagree Point eingelegt, bevor es dann doch noch nach Derry und von dort weiter auf der A5/N2 Richtung Boyne Valley, oberhalb von Dublin ging. Das geschichtsträchtige Boyne Valley ist für irlandinteressierte Menschen vielleicht nicht ein „muss“, aber doch ein wichtiger Programmpunkt auf der Reise. Hier reihen sich Hügelgräber, Hochkreuze, alte Abteiruinen und Kriegsschauplätze aneinander. Auch Tara, der Sitz der alten Hochkönige Irlands, ist dort zu finden. 
Old Millifont Abbey
 
Newgrange
Beim Aufspüren von Stellplätze abseits von Campingplätzen haben wir mittlerweile Routine. Unser Übernachtungsstopp dort an der Old Mellifont Abbey, der ersten Zisterzienserabtei im Land, wird uns aufgrund der friedvollen und geborgenen Atmosphäre lange in Erinnerung bleiben. Nach einer ausgiebigen, früh morgendlichen Besichtigungstour des Hügelgrabs von Newgrange, ging es weiter Richtung Landesmitte. Der Shannon mit seinen Seen Lough Ree und Lough Derg waren das nächste Ziel. Hier haben wir uns zur Abwechslung mal wieder auf einem Campingplatz eingefunden. Am „Lakesidecamping“ in Mountshannon hatten wir alles, was wir brauchten: Waschmaschine und einen Standplatz mit direktem Seezugang, wodurch sich die Gelegenheit ergab, unser Boot zu Wasser zu lassen, was Iris dann auch ausgiebig nutzte.
 

Kajakausflug zu Holy Island, Lough Derg
Unser Irlandaufenthalt war sicherlich der „geplanteste“ Abschnitt  unserer Reise, hatten wir doch neben dem Termin für die Fähre nach Frankreich, bereits vor unserer Abreise aus Deutschland noch einen weiteren Termin vereinbart. Am 7. September liefen wir abends pünktlich am vereinbarten Treffpunkt ein, wo - so ganz spontan - ein kleines Familientreffen – stattfand. Ursprünglich wollten wir uns ja nur mit Iris‘ Bruder nebst Anhang treffen, ihre Eltern kamen spontan dazu. So gab es das erste „Familientreffen“ auf irischem Boden seit 45 Jahren, genau an dem Ort, an dem die Familie Maucher in den 60ern gelebt hatte – in Killarney.

Jetzt liegen die Inseln hinter uns. Das 2-tägige „Killarneytreffen“ war sicherlich der emotionale Höhepunkt der Reise, in der wir Gelegenheit hatten, vieles aus der Vergangenheit Revue passieren zu lassen. An der Südküste, in Kinsale, fand sie ihren stimmungsvollen Ausklang. Zum Fährhafen war es jetzt nicht mehr weit. Noch 3 entspannte Tage mit Spaziergängen und einem letzten abendlichem Pub-Besuch im traditionsreichen „The Spaniard“, bei dem dann doch tatsächlich auch gesungen wurde! Der Abschied von Irland ist uns zum Schluss leicht gefallen. Die Bretagne hat uns heute Morgen mit Sonne und lauen Temperaturen begrüßt. Heute Abend bleibt die Küche kalt. Die Speisekarte des Restaurants neben an lockt mit Muscheln und anderem Seegetier. Es ist schon was dran am „Savoir vivre“ der Franzosen…….

 

Blick auf das Gap of Dunloe, Killarney

Caragh River, Co. Kerry

Stellplatz am Charles Fort mit Blick auf Kinsale

"Slainte", Bulman Pub, Kinsale